Gottvertrauen ist das Leben

Jesus sagte: “Ihr müsst Vertrauen zu Gott haben!” (Mar. 11:22)

Ein römischer Offizier und Jesus

In dem kleinen Ort  Kafarnaum am Galiläischen Meer hat Jesus sein erstes Wunder gewirkt. Es folgten rasch viele weitere. Seine Reden und die Heilungen in der Synagoge lösten Bewunderung und Erstaunen aus. Die Leute merkten, dass er mit Autorität und Macht sprach, wenn er seine Worte durch die Wunder bekräftigte.  Das sprach sich unter der Bevölkerung schnell herum und davon erfuhr auch ein römischer Offizier, der in diesem Ort stationiert war. Der Offizier hatte sich schon vorher mit der jüdischen Religion beschäftigt und tiefe Sympathie dafür entwickelt: Er stiftet eine Synagoge. Als Nichtjude erwarb er sich so das Wohlwollen der Ältesten der Juden.  

Als Jesus wieder einmal in Kafarnaum war, lag ein Diener des Offiziers im Sterben. Der Offizier schickte nun eine Abordnung der älteren Männer zu Jesus mit der Bitte um Heilung des kranken Dieners. Er selbst wollte nicht zu Jesus gehen, weil er sich unwürdig fühlte. Er wollte Jesus auch nicht persönlich in sein Haus bemühen, sondern meinte, dass ein einziges Wort von Jesus ausreichen würde, um die Heilung zu bewirken. Als Jesus das hörte, war er erstaunt und sagte: 

“Ich versichere euch: Solch einen Glauben habe ich in ganz Israel nicht gefunden!” Und ich sage euch:

“Aus allen Himmelsrichtungen werden Menschen kommen und  zusammen mit Abraham, Isaak und Jakob ihre Plätze im Reich der Himmel einnehmen.“

Aber die Bürger des Reiches werden hinausgeworfen in die tiefste Finsternis.

 Dort wird dann das große Weinen und Zähneknirschen anfangen.” 

(Mat. 8:10-12)

Und an den Hauptmann gerichtet sagte er:

“Was du mir zugetraut hast, soll geschehen!”

Sofort war der Diener geheilt. 

Dieser heidnische Offizier gab für alle Zeiten ein wunderbares Beispiel für die wahre Bedeutung des Vertrauens und seine Folge: Nicht die Abstammung von Abraham entscheidet über die Rettung, sondern das Vertrauen zu Gott. Und das gilt für jeden Menschen. Der Offizier war kein “Bürger des Reiches”, er stammte nicht von Abraham ab, doch er soll zu denen gehören, die schließlich in diesem Reich ihren Platz finden werden.

Die hartnäckige Witwe

In einem seiner Gleichnisse stellt uns Jesus eine Witwe vor, die in einem Rechtsstreit keinen anderen Ausweg weiß, als den ungerechten Richter durch ständige Bitten zu bezwingen, damit sie ihr Recht bekommt. Der Richter gibt nach langer Zeit nach, um seine Ruhe zu haben und verhilft der Witwe zu ihrem Recht. Und was Jesus mit diesem Gleichnis ausdrücken wollte, war nicht die Idee, dass man Gott mit vielen Worten überreden könnte, sondern dass ein Mensch durch Beharrlichkeit im Gebet sein Vertrauen zu Gott beweist. Die Witwe wusste, dass ihr nur der ungerechte Richter in ihrem Rechtsstreit helfen konnte. Diese Gewissheit veranlasste sie, ihm immer wieder in den Ohren zu liegen. Und so bin ich auch davon überzeugt, dass mein Vater im Himmel der einzige ist, der mir in den wichtigen Fragen meines Lebens wirklich helfen kann. Und das kann ich durch Beharrlichkeit im Gebet zeigen. Jesus hat das Gleichnis mit einer Frage abgeschlossen, die mich nachdenklich gemacht hat: 

“Aber wird der Menschensohn wohl solch einen Glauben auf der Erde finden, wenn er kommt?”

Es wird also schwierig mit dem Vertrauen! 

Warum? Allein schon deshalb, weil Christen wie Schafe unter Wölfen leben müssen, weil sie der Weizen zwischen Unkraut sind und sich Verhältnisse einstellen werden, die unser Denken und unsere Vorstellungskraft gewaltig übersteigen können. Es werden Verhältnisse sein, “mit denen man schwer fertig wird”! (2. Tim. 3:1-5) Die Zeit wird schwer auf alle lasten, die sich ihr Vertrauen auf Gott bewahren wollen. Und das kann bedeuten, dass ihr Vertrauen auf die Probe gestellt wird, denn sie müssen mit Verhältnissen rechnen, die es “seit Anfang der Welt noch nie gegeben hat” (Mat. 24:21). 

Vertrauen auf Gott kann ich leicht haben, wenn das Leben ohne Sorgen und Probleme abläuft. Dann kann ich leicht behaupten, Vertrauen zu haben. Aber was wird sein, wenn es nicht so sonntäglich und harmonisch läuft? Dann kann es schon sein, dass ich die Geduld verliere oder durch Sorgen zermürbt werde und unter Druck nachgebe. Dann erhebt sich die Frage, ob ich nur dann auf Gott vertraue, wenn es mir gut geht und mein Glaube nur für den Sonntag und den Sonnenschein da ist? Wie werde ich mich unter Druck verhalten? Das will nicht nur ich wissen, sondern auch Gott. Ich stehe dann vor vielen Fragen:

Warum muss ich u. U.  Schlimmes durchmachen? Warum lässt Gott es zu? Was will er damit erreichen? Wenn man diese Frage für sich beantworten will, eröffnet sich ein weites Feld. Man wird über die Tatsache nachdenken müssen, dass ich als einzelner Christ einen Kampf gegen das Böse führen soll, dass ich in diesem Kampf klar als ein Kind Gottes zu erkennen sein soll. Und man wird daran denken müssen, dass der Kampf uns stark machen soll, dass wir neue Einsichten gewinnen, die uns im Glauben voranbringen werden. Das musste sogar der Messias hinnehmen, denn er wurde durch sein Leiden dazu erzogen, zu verstehen, was Gehorsam bedeutet  (Heb. 5:8). Wenn schon der Menschensohn auf die Probe gestellt wurde, dann muss ich doch dasselbe für mich erwarten. Und blicke ich zurück, dann kann ich sagen, dass durch Schwierigkeiten, die ich im Vertrauen auf Gott überstanden habe, mein Vertrauen auch gewachsen ist. Über den Weg dahin sollte ich nicht traurig sein! 

Vertrauen ist das Lebensblut einer guten Beziehung

In allen menschlichen Verhältnissen ist Vertrauen die Grundlage und das Lebensblut einer guten Beziehung. Ohne Vertrauen herrscht Misstrauen. Und Misstrauen ist keine Basis für ein harmonisches Miteinander. Vertrauen beruht auf der Überzeugung, dass der Empfänger des Vertrauens in moralischer Hinsicht tadellos ist, dass man sich auf seine Worte und Handlungen immer verlassen kann und dass man kein Unrecht zu befürchten hat. Dieses Vertrauen muss erworben werden. Es wird durch Erfahrung erworben, es wächst im Laufe der Zeit. Je mehr positive Erfahrung das Vertrauen nährt, desto stärker wird es. Das gilt erst recht für unser Verhältnis zu Gott! 

Er fordert seine Kinder dazu auf, ihn auf die Probe zu stellen. Ja, er lädt sie ein, Vertrauen zu erwerben, und bittet sie, ihm ihr Herz zu geben. indem sie mit ihm “gehen”, d. h. ihn in ihr Leben mit hineinnehmen. Das kann bedeuten, in allen Dingen des Lebens Gott mit einzubeziehen. Es bedeutet, ständig zu ihm zu sprechen, seinen Rat zu suchen und sein Wort zu respektieren. Es bedeutet, mit einer ganz hohen Verantwortung vor ihm zu leben. Das nennt die Bibel Gottesfurcht. Ich werde dann Erfahrungen mit meinem himmlischen Vater machen, die durch kein Theologiestudium ersetzt werden, denn das ist dann kein leeres, unverbindliches Wissen, sondern eine gewachsene, lebendige Erfahrung mit meinem Vater. Dann kann ich meinen Vater im Himmel an seinen eigenen Worten messen und immer wieder durch Erfahrung feststellen, dass er ein Gott ist, der “tatkräftig hilft” (Ps. 68.21). Auf diese Weise gewinnen auch Kleingläubige Vertrauen.

Wer so mit Gott lebt, wird bald davon überzeugt sein, dass Gott über jeden Zweifel erhaben ist, wenn es um das kindliche Vertrauen geht, das ihm ein kleiner Mensch entgegenbringt. Es wird das in ihn gesetzte Vertrauen niemals enttäuschen! Darum hat unser Vater im Himmel auch nicht weniger verdient als dieses volle Vertrauen. Nur auf diese Weise kann ich – so war mein Gedanke – mein Glaubensleben mit Sinn und Inhalt füllen. Alles andere wäre Selbstbetrug. 

Kleingläubige Jünger lernen Vertrauen

Es war spät geworden und Jesus musste noch auf die andere Seite des Galiläischen Meeres. So bestiegen er und seine Jünger ein Boot und fuhren über den großen See. Weil Jesus müde war, legte er sich im Heck des Bootes auf ein Kissen und schlief ein. Plötzlich brach ein heftiger Sturm los. Die Wellen schlugen ins Boot, füllten es fast mit Wasser und das Boot drohte zu sinken. Die aufgeregten und verängstigten Jünger weckten ihren Lehrer. Der erwachte, sah die Gefahr und wirkte ein Wunder: Sturm und Meer beruhigten sich und die Gefahr war vorüber. 

“Warum habt ihr solche Angst?”, fragte Jesus. “Habt ihr immer noch kein Vertrauen (Glauben)?” Da wurden sie erst recht von Furcht gepackt und flüsterten einander zu: “Wer ist das nur, dass ihm sogar Wind und Wellen gehorchen?” 

(Mar. 4.40, 41)

Nach dieser Lektion, denke ich, waren sie überzeugt, dass man Jesus vertrauen durfte! Und hier erinnere ich mich an Petrus, der auch wie Jesus auf dem Wasser laufen wollte, aber einsank, weil er Angst bekam, als er auf den Sturm und die Gewitterwolken schaute. Und was sagte der Meister? “Warum hast du dem Zweifel Raum gegeben, Kleingläubiger?“ 

Vertrauen verträgt sich nicht mit Zweifeln 

Jakobus schrieb:

“Doch wenn er seine Bitte vorbringt, soll er das mit Gottvertrauen tun und sich nicht Zweifeln hingeben. Ein Zweifler ist nämlich wie eine vom Wind gepeitschte, hin und her wogende Meereswelle. Ein solcher Mensch kann nicht erwarten, etwas vom Herrn zu empfangen. Er ist in sich gespalten und unbeständig in allem, was er tut.” (Jak.1:6-8)

Wer zweifelt, traut dem Herrn nicht das zu, was z. B. der Hauptmann aus Kafarnaum von Jesus ohne jeden Zweifel erwartet hat. Und weil er so fest überzeugt war, wurde seine Bitte erfüllt. Die Zweifel, auf die Jakobus Bezug nimmt, betreffen das Grundsätzliche: Man traut Gott nicht zu, der zu sein, der er ist! In diesem Glaubensbild stimmt so einiges nicht. Hier gibt es zu viele “Vielleicht”, zu viele Zweifel an der Macht und der Liebe Gottes. Hier ist die Liebe Gottes noch nicht an ihr Ziel gekommen. 

Das kann daran liegen, dass man selbst zu ungeduldig ist, nicht auf Gott warten kann, oder um das Falsche bittet. Vertrauen ist ja nur da möglich, wo man ein klares, unerschütterliches Bild vom Empfänger des Vertrauen hat. Also gilt es zuerst immer, Gott zu erkennen, zu lernen und ihn in seinem Handeln mit sichdann zu erfahren. Ich muss also Geduld haben und mit dem Herzen lernen, wie groß Gottes Liebe zu mir ist. 

Vertrauen schafft Gewissheiten

Vertrauen auf Gott schafft eine wunderbare Gewissheit, die keine weitere Bestätigung braucht. Es erhebt den Glauben auf eine Stufe, die kein “vielleicht” mehr zulässt. Das Vertrauen auf Gott, den Vater im Himmel,  führt zur festen Überzeugung, dass Gott mein Bestes will. Und was er will, das geschieht auch. Der Prophet Jesaja hat dafür ein passendes Bild: Er vergleicht Gottes Wort mit dem Regen, der die Erde feucht macht und die Pflanzen wachsen lässt. Ebenso ist das Wort Gottes: Es geschieht, was Gott will und nur unser schwaches Vertrauen oder auch der Unglaube, das Misstrauen, kann dabei stören. 

Das Vertrauen auf Gott macht alle Sorgen klein, winzig klein! Denn Gott hat versprochen, alle Dinge neu zu machen (Off. 21:5). Dieses Versprechen zieht sich durch die ganze Bibel, vom Anfang bis zum Schluss. Und ich denke, dass ich an Gott nicht zweifeln kann, ohne ihn aus meinem Herzen zu reißen. Als nicht zu erschütternde Realität steht er da, mit Majestät und Macht, die nicht zu leugnen sind. In meiner Erinnerung lebt der Gedanke oder die tiefe Einsicht, dass Gott mir immer wieder Vertrauen eingeflößt hat und mich durch seine Liebe überzeugte. Er hat mein böses Herz besiegt! Warum sollte ich da zweifeln und ihm nicht voll und ganz vertrauen? Er wird mich ans Ziel bringen! Er hat nur das im Sinn, was für mich gut ist. Und was für mich gut ist, weiß er am besten. Er ist schließlich auch mein Vater im Himmel, der für seine Kinder sorgt. Ich möchte diese Einsicht als mein Urvertrauen bezeichnen, denn es begleitet mich schon sehr lange wie eine schöne Melodie. Es ist der Schutzschild meines Lebens.

Ich denke daran, dass Vertrauen auch noch eine andere Gewissheit  gibt: Es schenkt den tiefen Frieden Gottes! Es gibt Schutz! Zu den Juden wurde einmal durch Jesaja gesagt, dass ihre Rettung nicht von ihren Bemühungen abhinge, sondern davon: 

“Durch Umkehr und Ruhe werdet ihr befreit,

Im Ruhigsein und Vertrauen liegt eure ganze Kraft.

(Jes. 30:15). 

Der Prophet musste leider feststellen, dass sie das nicht wollten. Sie suchten eine politische Lösung, um die Bedrohung durch die Assyrer abzuwenden. Und das gelang schließlich nicht. Sie hatten kein Vertrauen in die Macht und die Liebe Gottes. Auch als in der Regierungszeit Hiskias das assyrische Heer durch Gottes Handeln vernichtet worden war, ließen sie sich nicht von der Wahrheit der Worte Gottes aus Jesaja 30:15 überzeugen. Sie kannten in der Mehrheit keine Gottverbundenheit – daher auch kein Vertrauen. So fanden sie weder den Frieden noch den Schutz Gottes. 

Wer Gott vertrauen darf, hat eine gewaltige Kraftquelle, weil einmal der Friede Gottes ihn behütet und zum anderen das Warten auf die Erfüllung der Hoffnung im Vertrauen auf Gott schließlich zum Ziel führt. 

Mein Vertrauen auf meinen Vater im Himmel ist noch nie enttäuscht worden. Wenn ich Gottes Handeln auch nicht immer verstehe, bin ich doch davon überzeugt, dass ich später sagen kann: “Und es war gut so!” Das Vertrauen auf meinen Vater lässt mich einfach ruhig sein und Geborgenheit fühlen.  Es erfüllt mich mit Frieden, Freude und Gelassenheit. Ich weiß mit allen Fasern meines Seins, dass ich in wirklich guten Händen bin. Wenn ich daran denke, empfinde ich tiefe Dankbarkeit und würde dann am liebsten sagen: “Schau weg von mir, denn ich bin ein sündiger Mensch! Deine Demut macht mich groß! Mein Gott und mein Vater im Himmel: Ich danke dir im Namen deines Sohnes, Jesus Christus! Amen.” 

So ist mein Vertrauen auf meinen himmlischen Vater zum Lebensblut meines wirklichen Lebens geworden, denn ER ist mein Leben! ER ist das Ein und das Alles für mich. Und ich wünsche sehnlichst, das Vertrauen Gottes nie zu enttäuschen. So sei uns allen der Vater im Himmel weiterhin gnädig! 

Das liest sich nun so, als sei ich schon am Ziel. Ich  bin es noch nicht, aber ich bin mir sicher, dass ich es erreichen werde. Hat Jesus, mein Bruder im Himmel, nicht gesagt, dass man darauf vertrauen soll, das Erbetene schon empfangen zu haben?  (Mar. 11:23, 24) Ja, darauf vertraue ich! Mein Gott und Vater im Himmel ist treu!

Veröffentlicht von Tilo

Ein alter Mann, der lange Zeit ein Zeuge Jehovas war und dieser Kirche aus Gewissensgründen den Rücken kehrte. Heute stehe ich allen Kirchen misstrauisch gegenüber, denn glauben kann man nur allein. (amenuensor@aol.com)

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