Das Gespräch der Seele mit Gott

“Ich wohne in der Höhe, in unnahbarer Heiligkeit, doch ich bin auch den Zerschlagenen nah, deren Geist niedergedrückt ist, und belebe den Geist dieser Gedemütigten neu, richte das Herz der Zerschlagenen auf.” (Jes. 57:15) 

Wenn ich hier zu schildern versuche, wie ich Glaube erlebe und wie es sich anfühlt, dann kann ich das Gebet, das Gespräch der Seele mit Gott, nicht aussparen

“Lehre uns beten”

Die ersten Jünger, die Jesus um sich versammelt hatte, waren Juden. Sie gehörten also zum Bundesvolk Gottes und verrichteten im Tempel zu Jerusalem auch ihre Gebete. Wenn man das weiß, dann fragt man sich, warum sie Jesus baten, sie beten zu lehren. Es muss ihnen an den Gebeten Jesu aufgefallen sein, dass sie so ganz anders waren, als das, was sie aus der allgemeinen religiösen Praxis kannten. Und Jesus nimmt auch auf das Bezug, was sie fast täglich erleben konnten: Die Pharisäer, die die prominenteste jüdische Sekte  bildeten, legten ganz großen Wert auf den schönen Schein. Darum beteten sie gerne in der Öffentlichkeit, an Straßenecken und auf Plätzen. Das sollte dazu dienen, allen zu zeigen, wie fromm sie waren, aber Jesus hat gerade das an ihnen kritisiert und seine Jünger davor gewarnt, sie nachzuahmen. 

Was haben die Pharisäer aus dem Gebet zu Gott gemacht? Es wird berichtet, dass sie auf die Idee kamen, für jeden Zweck und für jeden Anlass ein spezielles Gebet zu formulieren, das sie als verbindlich ansahen. Jede Abweichung vom vorgegebenen Text machte das Gebet unwirksam! Auf diese Weise wurde das Gebet zur religiösen Pflichtübung! Auch wenn Texte aus dem Pentateuch mit eingeflochten waren, war es nur eine Formsache, an der das Herz des Betenden selten Anteil hatte. Das Gebet verkam zur Rezitation. Und dabei hatte man doch die Psalmen, die als Vorbild hätten dienen können. Und wie anders waren die Psalmengebete, wo Menschen ihr Herz vor Gott öffneten und sagten, was sie bewegte, wo Raum war, in dem sich der Geist des Betenden vor Gott völlig öffnen konnte. Das haben die Pharisäer abgeschafft und durch Formeln ersetzt, die einfach so dahin gesprochen werden konnten. Ein Gespräch der Seele mit Gott war damit unterbunden. 

In der Praxis vieler Religionen ist das Gebet zur frömmelnden religiösen Pflichterfüllung geworden. Der Gläubige hat die Pflicht, zu bestimmten Zeiten zu beten. Auch hier sind die Gebete oft vorformuliert. Unzählige Wiederholungen des immer Gleichen (10 “Vater-unser”, 20 “Ave-Maria!”)  machen aus dem Gespräch mit Gott ein leeres Gerede, weil mit dieser Pflichtübung der private Charakter und die persönliche Beziehung zu Gott gar nicht entstehen kann. HIer kann man sein Herz nicht öffnen und sagen, was in einer bestimmten Situation angebracht wäre. Solchen Übungen fehlt also die Verbindung mit Gott, die ja durch ein persönliches Gebet hergestellt wird. 

Das Gebet ist eine Gnade, keine Pflicht!

Durch den Tod Jesu sind Christen völlig mit Gott versöhnt worden. Darum können sie freimütig und ohne falsche Scheu zu Gott reden. Dieses Glück der Vergebung macht den Betenden frei und es ist ihm ein Bedürfnis von Zeit zu Zeit mit seinem Vater im Himmel zu sprechen. Für ihn gilt: “Wer dich liebt, der bete, wann immer er dich antreffen kann.” (Ps. 32:6) Und er tut es dann auch, weil er weiß, dass Gott wirklich zuhört. Er hat folgende Zusicherung: “Ich will dich belehren, und ich zeige dir den richtigen Weg. Ich will dich beraten und ich behalte dich im Blick.” (Ps. 32:8) 

Wenn das Gebet eine Gnadengabe Gottes an den Menschen ist, dann nur unter der Voraussetzung, dass man Frieden mit Gott hat. Das wird uns schon in alten Texten der Bibel deutlich gemacht. Ich denke hier an Jesaja 55 und möchte auf einige Gedanken näher eingehen:

“Sucht Jehowah, solange er sich finden läßt! Ruft ihn an, solange er euch nahe ist!”  

Das ist eine Einladung Gottes an uns Menschen. Es ist mir wichtig, das zu betonen, denn Gott fordert das Gebet nicht wie eine zu erfüllende Pflicht, sondern lädt dazu ein. Aber er stellt auch eine Bedingung:

“Der Gottlose verlasse seinen Weg, der Schurke seine schlimmen Gedanken! Er kehre um zu Jehowah, damit er sich seiner erbarmt, zu unserem Gott, denn er ist im Verzeihen groß!”

Wie tritt man vor Gott?

Gott streckt also den Sündern seine Hand hin und ist zum Vergeben bereit, wenn sie bereuen, was sie falsch gemacht haben. So macht man Frieden mit Gott. Nach dieser Einladung an die Sünder macht Gott den Menschen deutlich, mit wem sie es eigentlich zu tun haben, wenn sie ihn anrufen:

“Meine Gedanken sind nicht wie eure Gedanken, und meine Wege sind nicht eure Wege!”, spricht Jehowah. “Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, so weit reichen meine Gedanken über alles hinaus, was ihr euch denkt, und meine Möglichkeiten über alles, was für euch machbar ist:”

Als der Prophet Jesaja in  einer Vision Gott auf seinem Thron gesehen hatte, war er so erschüttert, dass er sagte; “Weh mir! Ich bin verloren! Ich habe den König gesehen, Jehowah, den allmächtigen Gott. Und ich habe doch  besudelte Lippen und wohne unter einem Volk, das  durch seine Worte genauso besudelt ist!” (Jes. 6:5) Er kam sich also völlig unwürdig vor, den Allmächtigen sehen zu dürfen. Ihm war schlagartig deutlich geworden, mit wem er es zu tun hatte. Das ist ein heiliger Respekt, den wir bei verschiedenen Personen in der Bibel finden. Und mit diesem  Respekt sollte, so denke ich, ein Betender vor Gott erscheinen. Er sollte sich demütigen und in seinem Sinn die Stellung einnehmen, die für ihn angemessen ist. Denn das sagt die Schrift ganz deutlich: Gott schaut auf den Demütigen und verachtet den Stolzen. 

In diesem Zusammenhang muss ich auch daran denken, dass Gott ‘Gefallen an Wahrhaftigkeit im geheimen Ich’ hat. Ich kann also nur so vor ihn treten, wie ich als “nackter” Mensch bin: Im Gewissen kann ich nichts beschönigen, habe keine faulen Ausreden und kann dem Höchstem auch nicht ausweichen. Ich bin sowieso ein offenes Buch für ihn (Ps. 139) Also will ich ehrlich zu mir und zu ihm sein. Jede Heuchelei ist überflüssig und für das Verhältnis zu Gott nur störend.

Jesus hat diese Haltung betont, wenn er in einem Gleichnis einen stolzen Pharisäer und einen verachteten Steuereinnehmer beten lässt. Der Pharisäer lobt seine eigenen Vorzüge, gibt an und blickt verächtlich auf den Steuereinnehmer. Er fühlt sich anderen Menschen hoch überlegen und leitet aus seiner Einbildung ab, dass Gott sehr zufrieden mit ihm sein müsste. Aber Jesus gibt dem reumütigen Steuereinnehmer das gute Zeugnis, dass er vor Gott gerechter sei als der Pharisäer, denn die Worte “Oh Gott! Sei mir einem Sünder gnädig!” beweisen ja, dass er Gottes ausgestreckte Hand ergriffen hatte. 

Der Segen Gottes

Der Prophet Jesaja musste sich nicht mehr fürchten als er Gott gesehen hatte, denn Gott ließ seine Lippen rein werden und vergab großzügig (Jes. 6:6, 7). Christen haben durch Jesus Christus die Versöhnung mit Gott erfahren und können ohne Scheu und Furcht zu Gott beten und können darauf hoffen, dass sich an ihnen das erfüllt, was Jesaja im 55. Kapitel weiter ausführte:

“So ist es auch mit meinem Wort: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will, und führt aus, was ich ihm aufgetragen habe. ” (Jes. 55:11

Worauf darf ich vertrauen?

Es kommt für mich nur darauf an, dass ich zu Gott, meinem wirklichen Vater, ein tiefes, kindliches Vertrauen habe. In seiner Bergpredigt macht es Jesus deutlich, wenn er dazu auffordert, sich keine unnötigen Sorgen zu machen, weil der Vater im Himmel die Bedürfnisse seiner Kinder kennt und bereit ist, für sie zu sorgen. Dieses Vertrauen wurde mir während meines Lebens immer wieder durch Erfahrung gestärkt. Und denke ich zurück, dann habe ich keinen Grund an meines Vaters Zuverlässigkeit  und Liebe zu zweifeln! Nein, ich habe “geschmeckt”, wie gut und liebevoll er ist!

Ich darf mich voller Vertrauen in Gottes Hand geben. Ich muss nicht furchtsam sein, denn mein Vater “wird vollenden, was zu meinen Gunsten ist”. Meine Sorgen sollten sich auf meinen persönlichen Glauben richten, denn ich bin davon überzeugt, dass mein Vater es verdient, in Ehrfurcht und Demut von mir geliebt zu werden. 

So kann ich ihn auch niemals als meinen persönlichen “Dienstboten” sehen, der meine kleinlichen Wünsche erfüllt. Ich muss ihm nicht sagen, was er zu tun hat! Ich habe einfach kein Recht Forderungen zu stellen. Denn ich bin von seiner Liebe überzeugt worden und weiß, dass er immer das tun wird, was für mich gut ist! Sein Handeln mit mir wird immer von Liebe und Gerechtigkeit bestimmt sein. Ob ich das immer verstehe, ist gleichgültig. Aber dies ist sicher: Am Ende wird es immer gut für mich gewesen sein. Auch das entspricht bis heute meiner persönlichen Erfahrung.

Und ich habe auch gelernt, dass das Gebet kein Ersatz für das eigene Handeln ist. Was ich selbst tun kann, muss ich auch tun. Diese Arbeit wird mir mein Vater nicht abnehmen. Nur dort, wo meine Macht und meine Weisheit am Ende sind, da kann ich auf Gottes Hilfe hoffen. Im Laufe der letzten Jahre sind meine Bitten weniger geworden, denn ich habe bemerkt, wie Gott mir beigestanden hat. Ich habe viele Gründe zur Dankbarkeit, denn seine Barmherzigkeit und seine Geduld mit mir waren groß. Und ich habe gelernt geduldig zu sein. Manche Bitte ging lange nicht in Erfüllung, bis sie eines Tages doch erfüllt wurde. Und dann war ich überwältigt und dankte mit Tränen in den Augen. 

Eine Warnung des Jakobus

Es wird viel gebetet, aber man gewinnt den Eindruck, dass Gott die meisten Gebete nicht beachtet. Ein Grund mag sein, dass sie mit einem falschen Motiv gesprochen werden. Darauf macht der Jünger Jakobus aufmerksam, wenn er im 4. Kapitel auf die Ursache von Krieg und Streit hinweist: “Und selbst, wenn ihr betet, bekommt ihr nichts, weil ihr in böser Absicht bittet und nur eure Gier befriedigen wollt.”  (Jak. 4:3) Der ganze Gedankengang in den Versen 1 bis 10 ist ja an Christen gerichtet! Er ist an Christen gerichtet, die die Grundlage ihres Glaubens schon verlassen hatten und sich einbildeten, dass Gott noch mit ihnen zu tun haben wollte. Sie irrten sich! Und darum fanden ihre Gebete bei Gott kein Gehör. Wenn ich diese Warnung auf mich beziehen will, dann muss ich darauf achten, kein “Freund der Welt” zu sein, denn das trennt mich ganz deutlich von Gott. 

“Seid wachsam!”

Weil ich in einer gottlosen Welt lebe, muss ich um meinen eigenen Glauben kämpfen. Jesus hat mich und alle anderen Jünger, die als Einzelne glauben und dem bösen Einfluß dieser Welt widerstehen wollen, eine ernste Ermahnung und Zusicherung mit auf den Lebensweg gegeben: 

“Seid wachsam und hört nicht auf zu beten, damit ihr die Kraft habt, all dem, was geschehen wird, zu entkommen, und damit ihr zuversichtlich vor den Menschensohn treten könnt.” (Luk. 21:16)

Weil das Gebet eine Verbindung zu Gott herstellt und er auf seine irdischen Kinder achtet, kann man nur mit seiner Kraft, die alles übersteigt, was ein Mensch von sich aus kann, den Glaubenskampf gewinnen. Davon bin ich durch Erfahrung zutiefst überzeugt!  Und ich weiß ganz genau, dass das Gebet wie eine Nabelschnur ist, die mich mit Gott verbindet und mich mit dem Lebenssaft des Glaubens versorgt: mit dem heiligen Geist.

Angst erdrosselt die Freude

“Freut euch jeden Tag, dass ihr mit dem Herrn verbunden seid! Ich sage es noch einmal: Freut euch!” (Phil. 4:4)

Niemals hätte ich gedacht, dass Angst das vorherrschende Lebensgefühl dieses Zeitalters sein könnte. Wir leben in Europa doch in einem relativen Frieden, es herrscht ein nie gekannter Wohlstand und die Staaten haben für ihre Bürger fast alles geregelt und geordnet. Und alle Kriege und Krisen scheinen weit weg zu sein und erreichen uns nur durch die Nachrichten aus aller Welt.

Doch allmählich kommt alles näher und wird bedrohlich, ist nicht nur Schatten an der Wand, sondern morgen schon erlebbare Realität. Wir wissen mittlerweile, dass Globalisierung der Welt nicht nur wirtschaftliche Vorteile bringen kann, sondern auch die Risiken, Krisen, Kriege und Krankheiten anderer Weltteile, so dass ein Krieg in Europa greifbar nahe kommt. Und die Ängste wachsen!

Wie kann ein Schaf unter Wölfen leben?

Und inmitten dieser Welt gibt es die Menschen, die das Christentum ehrlich und wahrhaftig ausleben wollen. Jesus Christus hat sie mit Schafen verglichen, die unter Wölfen leben müssen. Kann das gut gehen? Laufen die Schafe nicht Gefahr, von den Wölfen gefressen zu werden? Jedenfalls ergeben sich auch hier viele Ursachen für Sorgen und große Ängste, die eine ständige Herausforderung an den Glaubenden darstellen. Und der Glaubende muss sich fragen, wie er dieser Zeit mit ihren Herausforderungen wirkungsvoll begegnen kann. Gewiss, die Frage war schon immer für Christen lebenswichtig, denn sie wollen ja entgegen aller Widerstände ihren Glauben an Gott bewahren; sie wollen sich im Vertrauen zu Gott nicht erschüttern und von der Welt vereinnahmen lassen. Denn das ist ja das “weiße Gewand”, von dem Jesus in der Offenbarung spricht, das Treue zu Gott symbolisiert und das es unter allen Umständen zu bewahren gilt, um das ewige Leben zu erhalten. Um dieses “weiße Gewand” rein zu bewahren braucht man die Hilfe des Himmels, die führende Hand Jesu und die Hilfe und den Schutz Gottes. Nur so kann ein Schaf unter Wölfen bestehen.

Glaubensfreude als Kraftquelle

Was Gott auch zulassen mag – ich will es tragen! Und wenn möglich, will ich es freudig und ohne Angst ertragen. Ich möchte aus der gleichen Kraftquelle trinken, aus der die frühen Christen getrunken haben, von denen es heißt, dass sie um Jesu willen in Unehre und Verfolgungen gerieten und das freudig auf sich genommen haben. Woher kam diese Kraft? Woher kam diese Freude? Diese Glaubensfreude kann nur aus der Gottverbundenheit gekommen sein! Diese feste Verbundenheit mit Gott flößt Vertrauen und Zuversicht ein. Nur wer in der Lage ist, Gott zu “sehen”, ist zu dieser Freude fähig. Die enge Gottverbundenheit gibt Hoffnung. Sie macht das Zukünftige für Christen sichtbar. Und mit dem Blick auf das Reich Gottes weiß man, dass sich alles, was sich Christen erhoffen, auch erfüllen wird. Wir haben ein gutes Vorbild in Jesus, von dem gesagt wurde, dass “er für die vor ihm liegende Freude” alles Schlimme erduldete:

“Und dabei wollen wir auf Jesus schauen. Er hat gezeigt, wie der Glaubenslauf beginnt und wie er zum Ziel führt. Weil er wusste, welche Freude auf ihn wartete, hat er das  Kreuz und die Schande dieses Todes auf sich genommen. Nun sitzt er auf dem Ehrenplatz an Gottes rechter Seite.” (Heb. 12:2)

Muss ich das auch lernen? Das ist keine Frage: Ich muss es lernen! Ich muss bereit sein, für den Glauben zu leiden – und sogar dafür zu sterben. (Mat. 10:28).

Bereit sein zum Glaubenskampf

Solange man diese Worte Jesu aus Matthäus 10 nur als lehrreichen Lesestoff sieht, sind sie nicht weiter schwer. Man ist ja geneigt, das alles weit von sich in die Zukunft zu schieben oder zu denken, dass es ja nicht auf jeden Christen zutreffen muss. Aber habe ich denn ein Recht darauf, mich aus diesem Kampf zwischen Gut und Böse herauszuhalten? Nein! Ein Nachfolger Jesu muss immer dazu bereit sein, für seinen Glauben zu kämpfen und zu leiden! In seinen Ermahnungen an seine Nachfolger (Offenbarung 2 und 3) fordert Jesus die Treue bis zum Tod! Erst wenn dieser Kampf gewonnen ist, kann man die “Krone des Lebens” empfangen. Wichtig ist dabei, dass man die nötige Kraft dafür erhält, damit die Glaubensfreude nicht verblasst.

Freude braucht Gründe

Es gibt viele Ursachen für das Verblassen der Freude. Über alle diese Ursachen muss man als gewissenhafter Mensch nachdenken. Man muss nachdenken, um zu reifen. Daneben ist man auch gezwungen, über Gründe zur Freude nachzudenken. Der Alltag bringt es mit sich, dass man vielleicht von Problemen gefangen genommen wird und sich die Gedanken nur um diese Probleme drehen und damit die Freude ersticken. Doch! Die Angst erdrosselt die Freude! Und darum ist sie ja auch eine wirkungsvolle Waffe des Teufels: Die von ihm erzeugte Angst treibt die Menschen in seine Arme und trennt sie von Gott. 

Die Freude wollen und sie sich bewusst machen

Aber die Freude und besonders die Glaubensfreude, will bewusst werden, sie will gewollt sein und braucht Gründe. Die Freude muss beschützt werden, damit sie nicht von bösen Gedanken und Einflüssen überwuchert wird. Ich muss darauf achten, dass nichts von all dem destruktiven Schmutz der Welt in mir Wurzeln schlägt. Ich muss meine Gedanken erstens durch Disziplin beherrschen lernen und zweites mich durch den Frieden Gottes beschützen lassen. Denn nur unter dem Frieden Gottes, der alles Denken weit übersteigt, werden meine Verstandeskräfte behütet (Phil. 4:6, 7). Und für den Kampf gegen die bösen Einflüsse, welche die Angst verstärken und die Freude erdrosseln, brauche ich einen klaren Sinn, der geübt ist in der Unterscheidung zwischen Gut und Böse. Ich brauche eine feste Haltung.

Vertraute Menschen

Ich möchte mich an Menschen aus der Bibel orientieren, weil ich bei ihnen denselben Kampf um den Glauben und die Freude und gegen die Angst gefunden habe. Im Psalm 77 z. B. fand ich die  Worte Asafs, die mich fühlen ließen, dass er denselben Kampf führte wie ich:

“In meiner Not suche ich den Herrn, nachts strecke ich die Hand nach ihm aus und lasse ihn nicht los. Ich weigere mich, getröstet zu werden. Denke ich an Gott, stöhne ich, sinne ich über ihn nach, verliere ich den Mut.”

Und er stellt Fragen:

“Wird der Herr für immer verwerfen? Wird er nicht wieder gnädig sein? Ist seine Gnade für immer zu Ende? Gilt sein Versprechen in Zukunft nicht mehr? Hat Gott vergessen, gnädig zu sein? Hat er im Zorn sein Erbarmen versperrt?”

Was war passiert? Das wird von Asaf nicht ausgeführt, aber seine Fragen lassen darauf schließen, dass er ein Tief im Glauben und Angst vor der Zukunft hatte, dass seine Freude verblasst oder gestorben war: 

“Da sagte ich: ‘Das ist mein Schmerz, dass der Höchste sich jetzt anders verhält’. 

Hat sich Gott wirklich anders verhalten? Nein, denn wer sagt, dass er über die “Taten Jehowahs”  und “sein wunderbares Tun von einst” nachdenken will, hat ein persönliches Problem, darum wollte er das Handeln Gottes verstehen und wissen, was es bewirkt. 

Und dann denkt er tatsächlich über Gottes Taten nach und aus den Erfahrungen der Vergangenheit zieht er den Schluss, dass Gott in seinem Tun heilig ist, dass er an Gott nicht zweifeln kann. So war er ein ganz normaler Mensch, der im Leben durch Höhen und Tiefen gehen muss und der jeden Tag neu um seinen Glauben, seine Treue  und seine Freude kämpfen musste. Und es hat bestimmt einen gewissen Nutzen, wenn man eine kleine Weile im ‘dunklen Tal’ gehen muss und gezwungen wird, sein Denken gezielt auf den Schöpfer und Vater im Himmel auszurichten, wenn man gezwungen wird, auch über sich selbst nachzudenken. Das hat der König David auch so erlebt, als er im Psalm 31 beschrieb, wie er durch Gottes Gnade beglückt worden ist:

“Ich juble vor Freude, dass deine Gnade mich beglückt. Du hast meine Elend gesehen, die Angst meiner Seele erfasst, mich nicht dem Feind ausgeliefert, sondern mir Raum zum Leben verschafft.”

Vor dem Jubel hat es so ausgesehen:

“Jehowah, sei mir gnädig denn ich bin in Angst. Vom Weinen ist mein Auge verquollen. Meine Seele ist matt und müde mein Leib. In Kummer schwindet mein Leben dahin, in Seufzen vergehen meine Jahre: Meine Kraft ist gebrochen durch meine Schuld, und meine Glieder versagen den Dienst.” 

Der Kampf gegen die Angst ist der Kampf für die Freude

Auch an David bemerke ich den persönlichen Kampf um die Freude – und gegen die Angst. Heute weiß ich, dass alles dies zum Glaubensleben dazugehört. In der BIbel habe ich nichts anderes gefunden. Immer war den Glaubenden der Kampf aufgegeben, um daran stark zu werden und zu reifen. Ich will also nicht erschüttert sein, wenn sich mein Glaube im täglichen Leben bewähren soll. Ich will wahrhaben, dass ich manchmal schwach werde, dass ich nicht immer der strahlende Sieger sein kann. Ich will akzeptieren, dass ich fallen kann. Aber ich will auch wissen, dass ich wieder aufstehen kann, wenn Jesus mir seine Hand reicht und unser Vater im Himmel mir gnädig ist. Ich weiß, dass ich im Glaubenskampf siegen werde, weil ich in guten, helfenden Händen bin! Und darüber will ich mich freuen!

Die Angst besiegen und die Freude erhalten

Wenn mich die Angst vor der ungewissen Zukunft  überfällt, dann will ich ganz bewusst über mein Leben nachdenken, um zu erkennen, wie ich an Gottes Hand gegangen bin. Ich will es mit dem Herzen wissen, wie gut und weise mich der Geist Gottes geführt hat, auch wenn es manchmal ein Umweg schien.  Aber in der Summe habe ich ein Leben führen dürfen, das dem Ziel meines Glaubens immer näher gekommen ist. Hätte ich das auch erreicht, wenn ich vor den Prüfungen meines Glaubens bewahrt worden wäre?  Daran zweifle ich. Ich war oft verzweifelt und ohne Ausweg; ich habe zeitweilig mit dem Leben gehadert und war nicht immer über alles erhaben und stark, sondern entmutigt, tieftraurig und einsam. Aber mein Vater im Himmel hat mir geholfen, Kraft geschenkt und mich durch Jesus Christus dem Ziel näher gebracht. 

Vertrauen wächst durch eigene Erfahrung mit Gott

Durch diese wertvollen Erfahrungen mit dem himmlischen Vater ist ein tiefes Vertrauen zu ihm gewachsen und ein starker Friede erfüllt mich. Und ich denke: Wenn Gott in der Vergangenheit so gut zu mir war, dann wird er es in der Zukunft auch sein. MIt dieser Zuversicht will ich fortan leben! Mit Gottes und Jesu Hilfe wird es mir möglich sein, zu verhindern, dass die Angst meine Freude in Jehowah erwürgt. Ich will “aus dem Bach seiner Freude trinken” (Ps. 36:9, 10):

“Wundervoll ist deine Güte, Gott! Im Schatten deiner Flügel suchen Menschenkinder Schutz. Sie genießen den Reichtum deines Hauses. Vom Bach deiner Freude lässt du sie trinken. Denn bei dir ist die Quelle des Lebens, in deinem Licht sehen wir das Licht.”

Das Unbegreifliche

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Der Prediger Salomo wollte das menschliche Leben verstehen und stand am Ende nur verwundert da. Und mir geht es ebenso: Das Leben, wie es zu oft geführt wird, verstehe ich nicht, denn ich verstehe die Menschen im Allgemeinen nicht und empfinde das Leben, das sie  oft führen, als Katastrophe. 

Ich versuche das Leben wie der Prediger zu betrachten. Aus den Früchten des allgemeinen Lebens kann ich Rückschlüsse ziehen. So jedenfalls hat es der Sohn Gottes formuliert: “Ihr werdet sie an ihren Früchten erkennen”, auch wenn sie als Wölfe im Schafspelz daherkommen. Aber auch dann ist es schwierig, denn es bleibt die Frage nach dem Warum. Warum leben viele so  gedankenlos und schlimm dahin, ohne zur Einsicht zu kommen? Was zwingt sie dazu? Ist es deshalb so, weil “Wahnsinn auf allen ihren Wegen ist”? So hat es der Prediger Salomo empfunden. Und ich bin geneigt, mich seiner Beobachtung anzuschließen.

Ich will versuchen in seinen Spuren zu gehen und beginne zu lesen.  Und mir fällt  auf, dass zuerst die Vergänglichkeit und die Tatsache beschrieben wird, dass es nichts Neues unter der Sonne gibt. Auf das Leben des Menschen angewandt kommt der Prediger zu dem Schluss: “Es ist alles nichtig und ein Haschen nach Wind”, denn das Leben endet unweigerlich mit dem Tod. Gleichgültig was man tut und wie man ist: Das Ende steht vor uns! Diese Tatsache hat Folgen, wie es der Prediger sieht:

“Das ist das Schlimme, bei allem, was unter der Sonne geschieht, dass alle dasselbe Geschick trifft. Von daher ist auch das Herz der Menschen voller Bosheit und Übermut ihr Leben lang, und danach geht es zu den Toten.” (Pre. 9:3)

“Weil das Urteil über die böse Tat nicht sofort vollstreckt wird, wächst in den Menschen die Lust, Böses zu tun.” (Pre. 8:11)

Die Folge dieses Wissens um die eigene Vergänglichkeit und der scheinbaren Straflosigkeit für böse Taten scheint einen kollektiven Wahnsinn auszulösen, denn man bildet sich ein, etwas zu versäumen und ist gierig auf Leben, Reichtum, Jugend und Erfolg und meint, sich um die Folgen seiner Taten keine Gedanken machen zu müssen. “Immer jung sein” und “immer oben” sein, nie Mangel spüren und stets “Freude” haben (heute sagt man “fun”). Die Lebensgier treibt dazu an,  alles zu tun, was möglich ist und sich nichts zu versagen – darauf wird das Leben häufig abgestellt und reduziert.  

Ich erinnere mich gut an einen Brief, den die Frau eines Schriftstellers in den 1920er Jahren geschrieben hat. Was ich daraus zitieren möchte, bringt eine Haltung zum Ausdruck, die man bei Menschen findet, die ohne Ziel, Halt und Verantwortung durch das Leben irren. Unfähig ihrem Leben einen Sinn zu geben, taumeln sie in geistiger und moralischer Auflösung dahin: 

“Alles, was ich will, ist, immer jung und ohne Verantwortung zu bleiben und zu spüren, dass ich mein eigenes Leben lebe – zu leben und glücklich zu sein und auf meine Weise zu sterben.” (Zelda Sayre Fitzgerald, 1900-1948) 

Das Leben das sie schließlich führte, war dementsprechend: Es endete tragisch in geistiger Umnachtung. Sie gehörte zu den Hochbegabten, war Künstlerin, schrieb, malte und tanzte, war klug und einfühlsam, lebenslustig – aber ohne Verantwortung, ohne besondere Moral, nur auf sich selbst bezogen. Und so war das Leben mit ihrem gleichfalls begabten Ehemann voller Skandale und Exzesse, eine menschliche Tragödie.

Der Prediger fand im Leben der meisten Menschen keine Weisheit, denn was sie taten, war oft gegen jede Vernunft. Er zählt viele falsche Verhaltensweisen auf, die es unmöglich machen, das Glück im Leben zu finden. Mit Habgier, Neid, Unterdrückung, Erpressung, Macht über andere, Respektlosigkeit und Übermut kann der Mensch kein Leben führen, das glücklich macht  und menschlich reich ist. Dazu kommt die Dummheit, die den Verstand und das Herz verfinstert und es nicht zuläßt, aus Erfahrung zu lernen. Was ist das schon: Ein Leben ohne Weitblick und ohne Gedanken an die Folgen einer bösen Tat? Und ganz bestimmt immer gegen die eigenen und wahren Bedürfnisse des Menschen? 

Der Prediger sah die Fragwürdigkeit des materiellen Reichtums, seine Verlockungen und dass er eine falsche Sicherheit bot. Er sah, wie das Streben nach Reichtum zum Lebenszweck wurde und die Habgier alles Menschliche verdarb. Was der allgemeine Mensch auch tut: Nichts hat Bestand, nichts bringt Erfüllung, nichts bringt dauerhaftes Glück. Getrieben von der Sucht nach Macht, Reichtum und Sex, zerfressen von Habgier und Leidenschaften, verhärtet durch Hass, wird ein Leben geführt, das nichts oder nur wenig von Weisheit und Gerechtigkeit erkennen läßt.

Nachdem der Prediger im allgemeinen Leben keine Spur von Weisheit gefunden hatte, versuchte er es mit der Freude. Aber auch sie wurde getrübt durch die Einsicht in die Vergänglichkeit des Lebens und die  Sinnlosigkeit. Das Ganze gipfelt in dem Satz: 

“Da hasste ich das Leben, denn alles, was unter der Sonne getan wird, war mir zuwider. Alles ist nichtig und ein Haschen nach Wind. … So kam ich dazu, an allem zu verzweifeln”. (Pre. 2:17)

Ist der Wahnsinn nur ein Problem der Vergänglichkeit?

Nein, nicht nur der Tod macht das menschliche Streben zur Farce! Es ist auch das Verhalten der meisten Menschen, das an Sinnlosigkeit und Dummheit leidet. Der Prediger hält allen den Spiegel vor – und man erkennt sich.  Und obwohl die Menschheit schon lange existiert, hat sich nichts wirklich geändert, was der Rede wert wäre. “Es gibt nichts Neues unter der Sonne!” – auch das eine bleibende Feststellung des Predigers.

Das Einzige, was er im Leben als lebenswert fand, hört sich für moderne Ohren sehr bescheiden an: Es ist die private Freude am Leben mit der geliebten Ehefrau, Essen und Trinken und die Genugtuung, die man nach einer ehrlichen Arbeit empfindet. Aber auch das ist nur schöner, vergänglicher Schein, wenn es nichts mit Gott zu tun hat! Denn nicht einmal aufrichtig und mit Freuden genießen ist dem Menschen möglich, wenn es an Gottes Wohlwollen fehlt.

Kann man oberflächlich und gedankenlos dahin leben?

Kann man durch die Jahrtausende gehen und alles sehen und mitmachen, kann man alles aufschreiben und erzählen, kann man also Geschichte betreiben und doch nur an der Oberfläche bleiben, weil man nicht eine einzige Lehre aus all dem zieht? Kann man immer nur die Oberfläche sehen und im Leben von einem Abenteuer zum nächsten jagen, ohne einmal nachdenklich zu werden und sich zu besinnen? Man kann es! 

Ist es möglich die Erfahrungen seines eigenen Lebens völlig zu vergessen und so zu tun, als wäre es endlos und jeder Fehler würde sich irgendwann von selbst korrigieren? Es ist möglich! 

Es ist erstaunlich, was der Mensch alles kann! Kann man so leben, als wäre man allein auf der Welt? Kann man es sich abgewöhnen, einmal mit wachem Herzen auf den Mitmenschen zu blicken und sich zu fragen, ob man eine Verantwortung für ihn trägt? Kann man diese Frage aussparen?  Man kann!

In der Theorie sind alle gut!

Der Mensch! — Was soll man dazu noch sagen? Betrachte ich das Leben der meisten, dann kann ich  mich nur wundern. Es wird alles Gute gehofft und erwartet, aber es trifft zu selten ein. Der Ungerechte erwartet Gerechtigkeit, der Lieblose hofft auf Liebe, der Geizige auf Freigebigkeit, der Undankbare auf Dankbarkeit, der Unruhestifter auf Frieden, der Dieb auf Ehrlichkeit, der Lügner auf Wahrheit – und der Mörder auf das “Himmelreich”. Denkt denn niemand daran, dass der Mensch nur das ernten kann, was er gesät hat?  

Die Theorie beherrschen die meisten Menschen gut, aber die Praxis nicht. Doch sie können sich über jeden heftig aufregen, der nicht anständig handelt. Dabei verurteilen sie sich aber selbst, denn sie beweisen damit, dass sie sehr wohl wissen, was richtig und was falsch ist.  So irren viele haltlos auf der Suche nach einem fragwürdigen Glück umher und verlieren sich dabei selbst. Und was hat der Prediger dazu herausgefunden? Ernüchterndes! Er sagt nämlich dies:

“Nur dies habe ich gefunden: Gott hat die Menschen aufrichtig und gerade gemacht, aber sie sind berechnend und falsch!” (Pre. 7:29)

Berechnend und falsch! 

Kann man mit solchen Leuten etwas Großartiges anfangen? Worauf kann man sich bei ihnen verlassen? Es ist schade, dass das Gebiet der Moral betroffen ist. MIr wäre es lieber, die Menschen hätten ihre Schwäche im Intellekt und nicht im “Herzen”. Man kann viel besser mit lieben, ehrlichen und einfachen Menschen leben, als mit hochintelligenten, aber falschen Leuten. Der “Defekt” am inneren Menschen macht ein friedliches und allen wohltuendes Zusammenleben unmöglich. “Berechnend und falsch” – welch ein erschütterndes Urteil über den allgemeinen Menschen!

Leben ohne Gott ist ein Leben ohne verbindliche Verantwortung

Der Prediger lenkt unsere Aufmerksamkeit auf die fehlende Gottesfurcht oder den Unglauben. Denn was einen Mensche davon abhalten könnte, gegen das eigentliche Leben zu leben, ist die Verantwortung vor Gott und vor dem Leben. Aber um sie wahrzunehmen, ist eine friedliche Beziehung zu Gott nötig. Nun könnte man sagen, dass man vor sich selbst verantwortlich sei. Aber diese Verantwortung trägt nicht weit, denn sie ist der eigenen Beliebigkeit unterworfen und kann jederzeit aufgekündigt werden. Gelebte Verantwortung, die jeden Lebensbereich mit einbezieht, ist nur in der Gottverbundenheit zu finden. Das bringt der Prediger mit seiner Mahnung für junge Menschen zum Ausdruck, wenn er sagt: “Fürchte den wahren Gott und halte seine Gebote, denn das ist des Menschen ganze Pflicht!” (Pre. 12:13)

Der Mensch kann wunderbare Dinge schaffen: Seine Kultur erzählt davon. Vieles ist atemberaubend schön, wahr und spricht zu Herzen. Die Erfolge in Technik und Wissenschaft bezeugen seinen scharfen Verstand. Seine Schöpfungen beweisen seinen Wagemut und seine Freude, sich für eine Sache Sache aufzuopfern. Sie zeigen, dass man sehr wohl zu gemeinsamen Werken fähig ist, dass Frieden möglich ist. Und doch ist die Geschichte mit den vielen Kriegen, Eroberungen, Raubzügen und Völkermorden auch eine Tatsache. Und derselbe Mensch ist zum Hass und zur Liebe fähig! Es kann glühend in der Nächstenliebe sein und sich selbst aufopfern. Er kann herzzerreißend weinen, wenn ein anderer leidet, kann aber auch ungerührt zuschauen, wenn sein Mitmensch vor seinen Augen zu Tode getrampelt wird.

Der Mensch weiß im Grunde seines Herzens, was gut ist, aber er ist in der Masse bis heute nicht dazu in der Lage, es auch zu tun! Die Masse folgt dem Bösen. Warum kommt es nicht zur Einsicht in die Wahrheit des Lebens? Der Prediger gibt eine indirekte Antwort darauf, denn was er schildert und was ihm das Leben vergällt, ist die fehlende Beziehung zu Gott, was dann durch sinnlose Beschäftigungen und durch falsche Wertvorstellungen zu schlimmen Ergebnissen führt. Und es leuchtet mir ein, dass dies eine Art von Unvernunft ist, die es nur bei Menschen gibt. Jesus Christus hat diese Art von Unvernunft unter all das eingereiht, was den Menschen unrein, d. h. für das Leben mit Gott und seinen Mitmenschen untauglich macht:

“Denn von innen, aus dem Herzen des Menschen, kommen die bösen Gedanken und mit ihnen alle Arten von sexueller Unmoral, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier und Bosheit. Dazu Betrug, Ausschweifung, Neid, Verleumdung, Stolz und Unvernunft. All dieses Böse kommt von innen heraus und macht den Menschen unrein vor Gott.” (Mar. 7:21-23)

Wie kann man nur ohne Gott leben?

Mein Blick auf die Geschichte, die Literatur und die Kunst sagt mir immer wieder dies: Die Sinnlosigkeit des Lebens, das die meisten geführt haben und führen, hat immer dieselbe Krankheit zur Folge: Das Verlassensein, die absolute Einsamkeit, die Hoffnungslosigkeit und die Haltlosigkeit. 

Wie viele Menschen sind mir begegnet, an denen ich genau das beobachten konnte? Und immer wieder fiel mir auf, dass sie ihre Krankheit genau beschreiben konnten, aber schließlich daran zugrunde gingen, wenn sie den Kampf mit dem sinnlosen Leben nicht mehr führen wollten. Sie haben geahnt,  was ihnen fehlte, aber sie waren nicht in der Lage, den Verlust zu ertragen. Vielleicht waren sie auch auf der Suche nach dem Verlorenen, ohne den Weg zu wissen? Aber es waren nur wenige Menschen, die sich des Verlustes bewusst waren; die Masse torkelte weiter unbeschwert dahin, berauscht durch Betäubung, Ablenkung und Vergnügen, oder benebelt durch die  Verehrung religiöser und politischer Götzen und Ideologien. War das Schicksal? Musste es sein? Gab es keinen anderen Weg? 

Ich kann aus meiner Erfahrung nur diesen Schluss ziehen: “Gott ist ein großes, stilles Haus, das offen ist zu jeder Stunde.” So hat es Gottfried Keller gesehen und darauf hingewiesen, dass jeder selbst in dieses “Haus” hineingehen muss. Jeder Mensch hat die Möglichkeit, Gott zu finden. Aber er wird ihn nicht in den Kirchen finden, in der Menge. Er kann ihn nur in der Stille seines Herzens finden und bestimmt dann, wenn er ihn im Gewissen begegnet. Aber warum ist das so schwer einzusehen?  Ist es vielleicht deshalb so, weil man sich einbildet, kein Geschöpf Gottes zu sein, sondern ein Kind des Zufalls? Aber warum leiden die Menschen in so großer Zahl an sich selbst? Warum empfinden viele die Sinnlosigkeit ihres Lebens so grausam, dass sie die Flucht in den Tod wählen? Warum fällt es vielen so schwer, die Einladung Gottes anzunehmen? 

“So spricht Jehowah: ‘Stellt euch an die Wege und schaut, fragt nach den ewigen Pfaden: ‘Wo ist hier der Weg zum Glück?’ Dann geht ihn und findet Erfüllung!’ Aber sie sagen: ‘Wir wollen nicht!’” (Jer. 6:16)

“Wir wollen nicht!”, das trifft im Allgemeinen zu. Ist mit dieser Feststellung das ganze Problem beschrieben? Warum wollen die Menschen nicht den von Gott gewiesenen Weg des Glücks gehen? Liegt es daran, dass sie Gott einfach vergessen haben, so wie Kinder ihre Eltern vergessen können? Oder ist es so, dass sie Gott gar nicht brauchen können, weil  er ihnen unbequem ist? Der Verdacht drängt sich auf, dass viele Menschen nicht zugeben wollen, dass ein Gott alles Werden veranlasst hat. Denn das einzugestehen, würde bedeuten, Gott als Ursache zu erkennen. Und wenn Gott die Ursache des Lebens ist, dann ist der Mensch verantwortlich! Will man das nicht einsehen?

Die Rache des nicht gelebten Lebens

Mit dem “wir wollen nicht” kommt kein Mensch weiter. Wenn es nicht so wäre, gäbe es keinen Grund zur Klage Dann wäre es “natürlich” und sollte dann  am Leben leiden. Es sind so viele Lebens- und  und Gesellschaftsentwürfe probiert worden, aber der wirkliche Erfolg blieb aus. Und in den vergangenen Jahrtausenden hat das nicht gelebte Leben eine schreckliche Rache an den Menschen genommen. Bemerkt man das nicht? Oder nimmt man es einfach als Schicksal hin, wie eine Naturgewalt, der man ausgeliefert ist? Der Prediger ist einfach nur erstaunt, wie dumm und einfallslos, wie abgestumpft und uneinsichtig gelebt wird. Auch davon spricht der Prediger, wenn er im Leben der Menschen die Wahrheit, die Gerechtigkeit, die Treue und den Sinn vermissen musste, weil die Beziehung zu Gott nicht stimmig war. Doch, darauf läuft es zuletzt hinaus: Der Mensch braucht Gott! 

Wähle das Leben!

Etwas Schlimmeres als die Trennung von Gott konnte dem Menschen nicht passieren. Aber das war vom Menschen so gewollt. Und da der Mensch von Gott den freien Willen erhalten hat, hat er auch die Wahl. Darum ist er ist von Gott aufgerufen, die richtige Wahl zu treffen. Im Buch der Sprüche kommt die personifizierte Weisheit zu Wort:

“Euch, ihr Leute, lade ich ein! An alle Menschen wende ich mich. Ihr Anfänger, lernt, was Klugheit ist! Ihr Tagträumer, werdet endlich wach! …

Die Wahrheitsliebe öffnet mir den Mund. Was ich sage, ist nichts als die Wahrheit, denn ich verabscheue Gesetzlosigkeit. Alle meine Worte sind recht, keins davon ist hinterlistig und falsch. Dem Einsichtigen sind sie alle recht und dem, der sie verstehen will, klar. Sucht meine Unterweisung und nicht Silberschmuck! Nehmt Erkenntnis lieber als reines Gold! …

Ich liebe die, die mich lieben; und die mich suchen, finden mich. …

Ich gehe den Weg der Gerechtigkeit und zwar mitten auf der Straße des Rechts. Denen, die mich lieben, gebe ich, was bleibt, und ihre Häuser fülle ich.” (Spr. 8:4-21)

Solange der Mensch schon auf der Erde lebt, ruft die Weisheit Gottes: Sie ruft im Gewissen, sie ruft aus der Schöpfung, sie ruft aus der Geschichte, sie ruft direkt aus der Bibel. Überall und immer hat diese leise Stimme gerufen. 

Wenn die Stimme nicht gehört wird

Die Strafe, die uns immer trifft, wenn wir nicht auf die leise Stimme Gottes hören, ist zuerst diese: Wir werden uns selbst überlassen, wir werden uns selbst ausgeliefert! Und das kann wirklich schrecklich sein. Das ist es, was der Prediger beobachtet hat und was ihn veranlasste zu sagen: “Es ist alles Nichtigkeit und ein Haschen nach Wind!” So muss das Leben wohl aussehen, wenn es ohne Gottesfurcht und ohne eine friedliche Beziehung zu Gott geführt wird. Auch das bringt die Weisheit zum Ausdruck, wenn sie sagt:

“Immer wieder rief ich euch an, doch ihr habt gar nicht zugehört, habt die ausgestreckte Hand missachtet, wolltet die Mahnung nicht hören und schlugt jeden Rat in den Wind.

Doch wenn das Unglück kommt, werde ich lachen. Dann spotte ich über euch, wenn das, was ihr fürchtet, wie ein Sturm über euch kommt, wenn ihr bedrängt seid von Angst und Schrecken. 

Dann schreit ihr nach mir, doch ich antworte nicht, dann sucht ihr nach mir, doch ihr findet mich nicht. Weil sie jede Einsicht hassten und es ablehnten, Jehowah zu fürchten, weil sie meinen Rat nicht wollten und meine Mahnung verschmähten, darum sollen sie essen, was sie sich eingebrockt haben, sollen satt werden am eigenen Rat. 

Denn die Sturheit bringt die Beschränkten um, die Dummen vernichtet ihre Sorglosigkeit. Doch wer auf mich hört, hat nichts zu befürchten, kann ohne Angst vor Unglück sein.” (Spr. 1:24-33)

Der Untergang hat begonnen. Ich sehe schon die Trümmer dieses Weltsystems. Und es herrscht Stille. Und plötzlich, ganz leise höre ich von weit her die Stimme eines Kindes. Es singt, und sein Lied verurteilt eine verluderte Welt! Es verkündet den Sieg der Liebe, der Gerechtigkeit und der Wahrheit. Seine Stimme schwebt über den Trümmern und erreicht die Herzen derjenigen, die der Weisheit und der Liebe Gottes ihr Herz geschenkt  haben. 

Licht und Irrlicht

Eine alte Geschichte?

Bis in das 19. Jahrhundert blühte auf Sylt die Strandräuberei. Unter den Bewohnern von Sylt kursierte das Sprichwort: “Frei ist der Strandgang, frei ist die Nacht!” Und jeder wusste, was damit gemeint war, denn in stürmischen Nächten, wenn die Aussicht bestand, ein havariertes Schiff zu plündern, war man am Strand und raubte, was an den Strand gespült wurde. Und gab es Schiffbrüchige, dann hatte die Rantumer keine Bedenken, sie zu erschlagen und zu verscharren. Um das “Geschäft” noch einträglicher zu gestalten, zündete man Leuchtfeuer an, um Schiffe auf den Strand zu locken.

Falsche Leuchtfeuer

Dieses wirksame Prinzip der Irreführung durch ein Leuchtfeuer findet bis heute immer noch lebhafte Anwendung. Nur geht es nicht um Piraterie, sondern um die Vernebelung des Geistes. Es brennen sehr viele falsche Leuchtfeuer die  als helles Licht erscheinen und alle Arten von Menschen  in die Irre locken. In allen Bereichen des Lebens findet man sie. Auch auf religiösem Gebiet locken sie viele Menschen in die Hände von Betrügern, die im Missbrauch des naiv-kindlichen Glaubenwollens eine Gelegenheit zum Geldverdienen und zur Machtausübung sehen.  

Ich muss nicht daran erinnern, dass viele Menschen die Orientierung verloren haben, die man früher noch zu einem guten Teil hatte, als das Gewissen und Gott noch eine gewisse Rolle spielten. Man vertraute noch einem inneren Maßstab und ließ sich von ihm leiten. In  unserer orientierungslosen Zeit suchen viele Menschen nach Sinn und Ziel im Leben. Die Esoterik und die vielen religiösen und pseudo-religiösen Bewegungen haben lebhaften Zulauf. Überall wird behauptet, dass man für die Probleme der Menschen eine gute Lösung habe. Man verspricht viel und die meisten scheinen das gerne glauben zu wollen. Sie lassen sich durch diese Irrlichter anlocken wie die Motten vom versengenden Licht

Was bringen die Versprechen der Gurus?

Die eigene Wahrnehmung macht uns schon misstrauisch, denn wir sehen das stille, würgende Unglück, das fast jeden heimsucht, der sich auf falsche Leuchtfeuer eingelassen hat. Das allgemeine Leben bietet einen unerschöpfliche Stoff für die Medien: Tausend Probleme, Skandale, Sorgen jeder Art und die steigende Flut der Kriminalität. Das hat sich niemand ausgedacht, das geschieht einfach jede Stunde, Tag für Tag. Ich sehe keinen tragfähigen Erfolg der vielen Heilsversprechen: Diese Welt fällt von Stufe zu Stufe immer tiefer in den Abgrund. Ich möchte es so beschreiben: Im stinkenden Kadaver dieses Weltsystems fühlen sich nur die Maden wohl!

Glaube bringt Licht

Ich bin in der guten Lage, glauben zu können, weil ich glauben darf. Glaube ist für mich keine meditative Technik, die mein “Chakra” repariert; es ist keine Psychotherapie, die mir in Alltagsproblemen hilft; es ist nicht das “Lichtlein, das von irgendwoher kommt”; es ist kein billiger Trost, der mich betrunken macht. Nein! Glaube ist die gesicherte Erfahrung Gottes als seiende, handelnde und gerechte Person, die sich in meinem Leben äußert. Glaube ist mein Leben, das ich “an der Hand Gottes” führe. 

“Ich bin das Licht der Welt”, sagte  Jesus von sich. “Wer mir folgt, wird nicht mehr in der Finsternis umherirren, sondern das Licht haben, das zum Leben führt.” (Joh. 8:12)

Meine Pilgerreise

Ich bin immer wieder dankbar dafür, dass ich nicht mir und meinem Denken und Fühlen ausgeliefert oder überlassen worden bin. Ich fühle und nehme es bewusst wahr, wie ich geleitet werde. Ich habe ein gutes Licht für meinen Weg und darf mich als Sohn oder Kind Gottes fühlen. Ich bin mir auch der Tatsache bewusst, dass ich Führung brauche, weil auch ich kämpfen muss, weil auch ich jeden Tag neu beginnen muss, den Weg ins Leben zu gehen. Aus diesem Kampf, mit allen Möglichkeiten des Siegens oder Scheiterns, gibt es für mich keine Entlassung. Und während ich diesen Weg gehe, lerne ich aus meinen Fehlern, erkenne mich an der Art, wie ich Probleme sehe und behandle. Ich kann das mit einem Bild ausdrücken: Im 84. Psalm wird es gebraucht:

“Wie glücklich sind die, deren Stärke du bist, die sich zur Pilgerfahrt rüsten. Wenn sie auch durchs Tränental ziehen, wird es zum Quellort durch sie, und der Herbstregen hüllt es in Segen. Mit jedem Schritt wächst ihre Kraft, bis sie vor Gott in Zion erscheinen.” 

Als Christ ist man auf der Reise zu Gott. Man geht auf dieser Reise durch viele Schwierigkeiten, aber der Weg wird immer leichter zu gehen, weil die Stärke Gottes uns begleitet, weil der Weg im Tränental sich zu einem Ort der Quellen wandelt, er also zu einer Oase wird und der fruchtbringende Herbstregen den Segen Gottes bringt. Mit jedem Schritt wächst unsere Kraft! Und das alles geschieht unter der Leuchtkraft, die Gott als Licht  uns schenkt. Gott beleuchtet unseren Weg und sorgt dafür, dass er zu einem guten Ziel führt.

Was Gott von uns will

Es ist in der Bibel enthalten: Gott will mit Geist und Wahrheit angebetet werden (Joh. 4:24). Weil er selbst Licht ist, sollen auch seine Kinder  Licht sein: “Ihr seid das Licht der Welt” und “lasst euer Licht vor den Menschen leuchten”. So hat es Jesus ausgedrückt. Und wer im Licht lebt und Licht spenden will, muss Gottes Gerechtigkeit auszuleben versuchen: 

Gott ist Licht, in ihm gibt es keine Spur von Finsternis. Wenn wir behaupten, mit Gott Gemeinschaft zu haben und trotzdem in der Finsternis leben, dann lügen wir: Unser Tun steht im Widerspruch zur Wahrheit. 

Wenn wie aber im Licht leben, so wie Gott im Licht ist, sind wir miteinander verbunden, und das Blut seines Sohnes Jesus macht uns von jeder Sünde frei. Wenn wir behaupten, ohne Schuld zu sein, betrügen wir uns selbst und verschließen uns der Wahrheit. Wenn wir unsere Sünden eingestehen, zeigt Gott, wie treu und gerecht er ist: Er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von jeder Ungerechtigkeit. Wenn wir behaupten, wir hätten nicht gesündigt, machen wir Gott zum Lügner. Dann lebt sein Wort nicht in uns.” (1. Joh. 1:5-10) 

Allein schon diese Hilfe Gottes, die uns zu besseren Menschen macht, ist ein wunderbares Licht auf unserem Lebensweg. Dieses Licht bewahrt uns davor, Böses zu tun, falsche Ziele zu verfolgen und am Ende das zu ernten, was wir an Bösem gesät haben. Und wieder betone ich: Die Gerechtigkeit Gottes beschützt uns! 

Und nun blicke ich auf die vielen Gurus, die den leichtgläubigen Menschen das Glück und die Freude versprechen und ihnen doch nur das Geld aus der Tasche stehlen. Ich blicke auf ihre Jünger und auf ihr Leben und sehe, dass sie nicht zu Gott gefunden haben, dass es ein Irrlicht war, das sie in die Finsternis lockte, und dann wundert es nicht, dass man im Leben Schiffbruch und Untergang erlebt! 

Das blendende Licht dieses Weltsystems

Neben den großen und kleinen Katastrophen die uns die Nachrichten ins Wohnzimmer liefern, gibt es das strahlende Licht des Optimismus, das alles positiv einfärbt und  verhindern will, dass man nachdenklich wird. Dieses Licht ist so grell, dass die Augen geblendet werden. Die moderne Welt des Kapitalismus strahlt von Glanz und Glitter. Es täuscht die Sinne und vernebelt den Verstand, denn es bedient scheinbar den Wunsch der Menschen nach Glück, Erfolg und Wohlstand. Überall werden die sichtbaren Zeichen des wirtschaftlichen Erfolgs aufgerichtet: Die Metropolen dieser Welt überbieten sich durch ihre Bauwerke darin, den wirtschaftlichen Erfolg sichtbar zu machen. Aber dieser falsche, trügerische Glanz überstrahlt doch nur das menschliche Elend, das uns auf Schritt und Tritt begegnet. Er ist reine Fassade, er ist Theaterdekoration für ein mieses Stück. Denn fragt irgendjemand nach der Lösung für ein drängendes und bedrohliches Problem, dann fällt die Antwort  eher vage, verlogen oder nichtssagend aus. Nur mit Mühe kann man die Perspektivlosigkeit und Ratlosigkeit überdecken. Es gibt viele Worte, Absichtserklärungen und Versprechen, aber keine ernstzunehmende Aktivität. Das nennt man operative Hektik. Man tut so, als ob. Was daneben noch auffällt ist dies: “Lasst uns essen und trinken und fröhlich sein, denn morgen ist die Party vielleicht schon vorbei!” 

“Dein Wort ist Wahrheit”

Ich bleibe beim Lesen in der Bibel oft an ganz einfachen Aussagen hängen. Eine davon ist ein Wort Jesu: 

“Ich bitte dich nicht darum, sie aus der Welt wegzunehmen, aber ich bitte dich, sie vor dem Bösen zu bewahren. Sie gehören nicht zur Welt, genauso wie ich nicht zu ihr gehöre. Mache sie durch die Wahrheit zu Menschen, die ganz für dich da sind! DEIN  WORT  IST  WAHRHEIT.” (Joh. 17:15-17)

Wie oft habe ich darüber schon nachgedacht? Wie oft habe ich diesen Ausspruch anhand meiner Erfahrung und all den Tatsachen geprüft, mit denen ich konfrontiert worden bin? Das geht nun schon ein Leben lang – und immer wieder treffe ich für mich die Feststellung: “Dein Wort ist Wahrheit!” Und dann kann ich Gott nur danken! Ja, ich fühle mich im Wort Gottes zu Hause; hier bin ich geborgen, hier finde ich Rat, Hilfe, Verständnis, Trost und Hoffnung. Ich kann mir zusammen mit dem heiligen Geist Gottes kein besseres Licht für meinen Lebensweg denken. 

Während ich mich durch Gottes Licht auf meinem Weg leiten lasse, sehe ich die düsteren Prophezeiungen der Offenbarung in Erfüllung gehen. Während die letzten Plagen über dieses Weltsystem ausgegossen werden, geschieht auch dies:

“Der fünfte Engel goss seine Schale über den Thron des wilden Tieres aus. Da wurde sein ganzes Reich in Finsternis gestürzt und die Menschen zerbissen sich  die Zungen vor Qual. Sie verfluchten Gott im Himmel wegen ihrer Schmerzen und ihrer Geschwüre. Doch ihre Taten bereuten sie nicht.” (Off. 16:10, 11)

Angesichts dieser angekündigten Dunkelheit sagte Jesus zu seinen Jüngern:

“Nutzt das Licht, so lange ihr es habt, damit euch die Dunkelheit nicht überfällt! Wer in der Dunkelheit unterwegs ist, weiß nicht, wohin er geht. Glaubt an das Licht solange ihr es noch habt, damit ihr Menschen des Lichts werdet!” (Joh. 12:35, 36)

Ein Bettler

Kürzlich erzählte mir ein Bekannter eine Geschichte, die mich noch lange beschäftigt hat. Es ist die Geschichte eines erfolgreichen Schriftstellers, der nach Jahren seines Schaffens nachdenklich wurde. Er überdachte noch einmal sein Leben und Schaffen und kam zu einer ernüchternden Feststellung: „Meine Texte haben die Menschen zwar unterhalten, aber ich habe nichts Wesentliches gesagt! Und dabei hätte ich doch etwas zu sagen gehabt, was  wichtig gewesen wäre. Warum habe ich das nicht gesagt? Warum fällt mir das erst jetzt ein?“

Dann setzte er sich hin und überlegte. Und was er dann aufschrieb, veröffentlichte er nicht. Er ging in den Wald und las seinen letzten Text den Bäumen vor. Die alten Bäume des Waldes umstanden ihn still. Nur der leise Wind strich durch die Äste. Kein Mensch hörte seine letzten Worte! Danach blieb der Schriftsteller verschwunden und war nicht mehr auffindbar.

Ich habe nicht erfahren, was er im Wald den Bäumen vorgelesen hat. Aber ich fragte mich, was ich an seiner Stelle gesagt haben könnte, nachdem ich mein “Lied” vor der Welt gesungen habe? Ich habe nachgedacht und es fielen mir gewichtige Worte ein, in denen es im Grunde genommen wieder um mich ging. Vielleicht empfand der Schriftsteller ähnlich und drängte danach, etwas über sich zu sagen, was er bisher sorgsam verschwiegen hatte, weil seine Karriere im Vordergrund stand und er die Bewunderung der Leser haben wollte. Vielleicht wollte er einmal – und wenn es das Ende seines Lebens war – seine eigene, nackte und schonungslose Wahrheit über sich selbst sagen? 

Und was könnte ich den Bäumen über mich selbst sagen? So als letztes Wort, das Bestand haben und mich in einem kurzen Satz beschreiben könnte, das meine Selbsteinsicht wiedergäbe? Nun bin ich ein Mensch, der es als großes Glück empfindet, dass er glauben darf. Und darum versuche ich, mich  immer unter dem wissenden Blick Gottes zu sehen (Ps. 139). Ich stelle mir also lebhaft vor, vor dem Richter aller Menschen zu stehen und unter seinem Blick alles Überflüssige, Falsche, Stolze, Selbstgerechte und Beschönigende zu verlieren, es abzustreifen und den Mut zur letzten Wahrheit meines Lebens zu haben. Und was eignet sich da besser, als das, was Jesus in einem Gleichnis einem bereuenden Sünder in den Mund legte? 

“Gott, sei mir gnädig. Ich bin ein Sünder.” (Luk. 18:13)

Mit diesem einen Satz hat – so sagt es Jesus – der Mann seine Meinung über sich vor Gott offenbart, mit der er sich tatsächlich Gott unterwarf und um Gnade bat! Wer um Gnade bittet, hat begriffen, dass er Barmherzigkeit bitter nötig hat! Wer um Gnade bittet, sieht sich im richtigen Licht vor Gott! Er bittet damit auch um Hilfe, um ein besserer Mensch zu werden, zu einem Menschen, der mit seinem Schöpfer in vollkommener Harmonie lebt.  Und das soll auch mein Wunsch sein.

Nun besteht bei solchen Geständnissen immer der Verdacht, dass der Sprecher eine Haltung kultiviert, die als gut anerkannt und gewürdigt wird. Aber damit will ich nichts zu tun haben. Mir geht es um die innere Wahrhaftigkeit, um mein privates Eingeständnis vor Gott. Ja, ich kann über meine Gedanken schreiben, ich kann sie beleuchten und ausbreiten, aber wenn ich sie hier nicht für mich behalte, sondern aufschreibe, dann doch in der Hoffnung, dass andere auch angeregt werden, über sich selbst nachzudenken. Im Buch der Sprüche fand ich diesen schönen Gedanken: “Im Spiegel des Wassers erkennst du dein Gesicht, im Spiegel deiner Gedanken aber dich selbst”. Und das ist es, was dann zu Einsichten führt, die uns unseren Platz in der Gegenwart Gottes zuweisen.

Nun habe ich mit dem Eingeständnis, ein Sünder zu sein, nichts Besonderes gesagt. Das sind schließlich alle Menschen. Aber nicht alle sehen es ein, weil ihnen Gott unbekannt ist und sie deshalb keine Verantwortung fühlen. Doch für mich ist diese Einsicht auch schmerzlich und ich bedaure, was ich falsch gemacht habe. Dabei denke ich auch an Jesu Glücklichpreisung aus der Bergpredigt: 

“Wie glücklich sind die, die begreifen, wie arm sie vor Gott sind, denn sie gehören dem Reich an, das der Himmel regiert.” (Mat. 5:3)

Wie viele Menschen werden das begriffen haben? Einen kenne ich: Hiob, der Mann aus dem Land Uz. Als er seine Belehrung von Gott erhalten hatte, sagte er nur noch: 

“Ich weiß, dass du alles vermagst, kein Plan ist unmöglich für dich. ‘Wer verhüllt da den Rat  mit Reden ohne Einsicht?’ Ja, ich habe geredet, was ich nicht verstand. Es war zu wunderbar für mich, ich begriff das alles nicht. Höre doch, ich will nun reden, will dich fragen, dass du mich belehrst. Bloß mit dem Ohr habe ich von dir gehört, aber jetzt hat mein Auge dich geschaut. Darum unterwerfe ich mich und bereue in Staub und Asche.” (Hiob 41:2-6)

Und so sieht ein Armer vor Gott aus! In diesem “darum unterwerfe ich mich und bereue in Staub und Asche” liegt alles, was man vor Gott außer “Danke” noch sagen kann. Ja, ich will ein Armer vor Gott sein! Dabei muss ich einsehen, dass es ein Weg dahin ist, der über Erfahrungen und Einsichten zum Ziel führt. Aber ich darf zuversichtlich sein, denn was Gott von mir erwartet, will ich gern erfüllen. 

Dazu gehört nach meiner Ansicht, dass man wie ein Kind wird, das von seinem Vater alles erwartet, was gerecht und wahr ist, ein Kind, das sich seiner Abhängigkeit bewusst ist und mit vollem Vertrauen zum Vater aufblickt, weil es sich in seiner Gegenwart gut aufgehoben fühlt. So ein Kind diente Jesus als Beispiel, als er sagte, dass man so werden müsse wie ein Kind: “Gottes Reich ist ja gerade für solche wie sie bestimmt. Ich versichere euch: Wer Gottes Reich nicht wie ein Kind annimmt, wird nie hineinkommen.” (Luk.18:16, 17) Und das hat Jesus gesagt, nachdem er wieder einmal einen Rangstreit unter seinen Aposteln miterleben musste. 

So ein Kind Gottes stellt sich selbst nicht in den Mittelpunkt. Es kennt seine Begrenztheit. Und es hat keinen Sinn für Konkurrenz und Wetteifern, kein Gefallen an Geltungsbedürfnis und Stolz. Darum vertraut ein Kind Gottes nicht auf die eigenen Fähigkeiten und ist nicht der Meinung, jedes Problem selbst lösen zu können. Es kann in Ruhe und Vertrauen auf Gott warten! Ja mehr noch! Es kann das ausleben, was es im Brief des Petrus liest:

“Demütigt euch unter Gottes mächtige Hand, dann wird er euch zur richtigen Zeit erhöhen. Und werft so alle eure Sorgen auf ihn, denn er sorgt sich um alles, was euch betrifft.” (1. Pe. 5:6, 7)

Diesen Text möchte ich gern verinnerlichen, will erreichen, dass er ein Teil von mir wird. Ich kenne ihn schon lange Zeit, aber erst jetzt, wo ich alt geworden bin, ist sein tiefer Sinn in mir aufgegangen. Es war so, wie beim roten Fingerhut: Der Same dieser Wildpflanze kann viele Jahre in der Erde liegen – und warten. Er wartet, bis Licht auf ihn fällt, dann keimt er und wächst. So habe ich den Eindruck, dass erst Gottes Geist das passende Licht auf den Text werfen musste, damit der Sinn in meinem Herzen aufgehen konnte. Und welch ein Reichtum ist da entstanden! Ich muss nicht mehr ‘ängstlich umherblicken’ und mich fürchten. Ich darf der Zusicherung Gottes vertrauen: 

“Schau nicht ängstlich nach Hilfe aus, denn ich, dein Gott, ich stehe dir bei! Hab keine Angst, denn ich bin dein Gott! Ich mache dich stark und helfe dir! Ich halte dich mit meiner rechten und gerechten Hand. … Denn ich bin Jehowah, dein Gott. Ich fasse dich bei der Hand und sage zu dir: ‘Fürchte dich nicht! Ich selbst, ich helfe dir!’” (Jes. 41:10, 13)

So schaue ich wie ein kleiner Junge mit warmen Herzen auf meinen Vater im Himmel. Denn ich weiß, dass er für mich sorgen wird. Ich muss keine Furcht haben! Statt dessen habe ich einen nie gekannten Frieden geschenkt bekommen, ein Friede, so mächtig wie ein breiter Strom und so tief wie das Meer. Es ist der Friede unter der mächtigen Hand Gottes!

Unter diesem Frieden wächst das unbedingte Vertrauen zum Vater im Himmel. Und dann weiß ich, dass viele Probleme meines Lebens nicht von mir gelöst werden können, denn ich bin nur ein armer Mensch, ein Sünder. Da kommt es für mich darauf an, auf Gott zu warten, auf seine Lösung zu warten. Der “Arme vor Gott” kennt aus Erfahrung seine Begrenztheit, seine Machtlosigkeit und seine Grenzen. Das ist letztlich Bescheidenheit, wie sie in Micha 6:8 gefordert wird: 

“Er hat dir gesagt, was gut ist. Und was fordert dein Gott von dir zurück, als Güte zu lieben, Recht zu üben und bescheiden  mir deinem Gott zu wandeln?” 

“Lass mich wie einen deiner Lohnarbeiter sein”

Wenn ich an Jesu großartiges Gleichnis vom verlorenen Sohn denke, dann wird mein Herz weit und warm. Denn auch ich fühle  mich wie der verlorene Sohn, der nach einer Irrfahrt durchs Leben endlich wieder zu Hause bei seinem Vater sein darf. Es ist doch eine Tatsache, dass meine Sünden meinem Vater nicht gefallen, dass sie ihm weh tun und er Besseres von mir erwarten darf. Das Beharren in der Sünde würde mich von ihm trennen, doch ich darf ihn mit “Vater” anreden! Ich darf darauf vertrauen, dass meine Sündenschuld getilgt ist, weil Jesus für mich gelitten hat! Darum darf ich “Vater” sagen. 

Das ist für mich eigentlich unfassbar! Es ist so unfassbar, wie Gottes Größe! Gott kann viele Namen haben, aber kein Name wird seiner Person gerecht. Die Namen sind schwache Versuche des Menschen, den Unbegreiflichen, Allmächtigen und Unsichtbaren greifbar zu machen. Unser Verstand braucht Namen, braucht Begriffe. Aber Gott ist darin nicht fassbar. Das hat auch schon Hiob gewusst, als er sagte, dass wir von den Säumen der Wege Gottes nur ein Geflüster hören und den Donner seiner Macht nicht verstehen (Hi. 26:5-14). 

Das kann dazu führen, dass man sich völlig unbedeutend und sehr klein vorkommt und Gott in weite Ferne rückt. So haben es auch Psalmenschreiber empfunden, wenn ich Äußerungen wie diese lese: “Du bist so weit weg!” (Ps. 71:12) “Denke ich an Gott, so stöhne ich.” (Ps. 76:4) “Ich bin doch nur ein Gast bei dir, ein Fremder wie alle meine Väter.” (Ps. 119:19; 39:13) “Schau weg von mir, damit ich aufatmen kann, bevor ich gehen muss und nicht mehr bin.” (Ps. 39:14)

Aber dann dies: “In nächtlichen Stunden auf meinem Bett, gehen meine Gedanken zu dir. Flüsternd sinne ich über dich nach, denn du bist mir Hilfe gewesen. Ich juble im Schutz deiner Flügel. Ich klammere mich an dich, und deine rechte Hand hält mich fest.” (Ps. 63:7-9) Darin leuchtet die Barmherzigkeit Gottes auf! Das gibt mir Mut! Das lässt mich hoffen und vertrauen! Das macht mich groß, auch als Bettler vor Gott. Gottes Barmherzigkeit gilt auch mir, einem Sünder. Und dadurch wertet Gott mich auf! Es ist dann so, wie es im 18. Psalm steht: “Du gabst mir den Schild deines Heils, und deine Hand hat mich gestützt. Deine Demut machte mich groß!” 

Wo wohnt Gott?

Ich habe Gottsucher gefragt, wie man zu Gott kommt. Seine Antwort:  “Er wohnt nicht in der Zeit. Er ist Herr der Zeit. Er war, er ist und er wird sein! Es gibt keinen Ort, an dem du dir Gott denken kannst, denn er wohnt außerhalb von Zeit und Raum. Und doch wohnt er bei dem, der niedrigen Geistes ist. Er wohnt bei denen, die wissen, wie arm sie vor ihm sind. Gott wohnt dort, wo deine Dankbarkeit ihren Widerhall findet. Je mehr Gründe du zum Danken hast, umso näher kommst du Gott!.”  Und ich glaube er hat Recht. 

So bin ich am Ende nur noch dankbar, dass ich als Bettler vor Gott stehen darf, dass ich die starke Hoffnung habe, durch Jesus Christus ganz und gar mit Gott versöhnt zu sein. Und dann habe ich keine anderen Wünsche. Das Wesentliche ist für mich da: Ich darf “Vater” sagen. Der verlorene Sohn ist zu Hause – als Bettler, als Armer vor Gott.

Und draußen tobt der Wahnsinn

Dem stillen Betrachter dieser Zeit drängt sich die Frage auf, ob den Menschen allgemein der Wahnsinn droht. Ich habe noch keine Epoche erlebt, in der die Gesellschaft so polarisiert, so stark gespalten und zerstritten ist wie jetzt. Auf allen Kanälen finde ich Geschrei, Verleumdung, Wut, Hass, Lügen und Verführung zu schlimmen Verhaltensweisen. Jeder behauptet Recht zu haben. Jeder kann für seine Behauptungen irgendeinen “Experten” zitieren oder eine “wissenschaftliche” Publikation anführen, um den Eindruck von Wahrheit und Seriosität zu erwecken. Einprägsame Schlagworte wie “Fake News”, “Verschwörungstheorien”, “Bewusstseinskontrolle”, “Totale Beherrschung”, “Manipulation der Massen”, “Mainstream Medien”, “Desinformation” und “Regierungszensur” beschreiben den Boden, auf dem das allgemeine Misstrauen gegen die Regierung und gegen den Mitmenschen wächst. Ich beobachte eine zunehmende Radikalisierung, die mir Angst macht. Wehe, wenn sich nur ein Teil davon austobt!  “Jeder gegen jeden”, scheint die Devise zu heißen. 

Wo ist oben, wo ist unten? 

Die meisten wissen es nicht mehr. Wem soll man glauben und vertrauen? Man ist zu oft enttäuscht worden und hat das Vertrauen verloren. Und wie sieht es mit dem Denken aus? Es scheint, dass das klare, zielstrebige Denken kaum noch gepflegt wird, weil man durch die vielen widersprüchlichen Informationen verwirrt und verunsichert ist.  Worauf kann man sich stützen? 

Das ist die Lage, der ich mich gegenüber sehe. Soll ich mich da einmischen und für die Vernünftigkeit eintreten? Soll ich aufklären und mich auf eine der vielen Seiten stellen, die ich nicht durchschaue? Wenn ich es genau betrachte, dann geht es doch um Moralität! Die Verwirrung der Meinungen muss ich als Ergebnis einer Tendenz sehen, die vor Jahrzehnten in die öffentliche Diskussion getragen wurde, als man forderte: “Weg mit der Moral!” Und da kann ich für niemanden Partei ergreifen. Ich kann es nicht, weil keine verbindliche Grundlage da ist, die von allen – oder den meisten – anerkannt wird. Soll ich für Menschen Partei ergreifen, die sich der Lüge und der Täuschung bedienen, um ein gewisses Ziel zu erreichen? Ich kann es nicht! 

“Seid also wachsam”

Was muss ich tun, um den Kopf oben zu behalten? Die Antwort kann ich leicht geben, aber nur unter Anstrengung auch leben. Ich habe eingesehen, dass Glaube oder das Vertrauen zu Gott jeden Tag neu formuliert werden muss. Jeden Tag bin ich gezwungen, mich zu orientieren. Jeden Tag muss ich mir klar machen, an wen ich glaube. Dabei ist mir auch bewusst geworden, dass ich kämpfen muss, auch wenn ich mitunter müde bin und einzuschlafen drohe. Da gilt für mich und alle anderen Christen die Warnung Jesu im Hinblick auf schwierige Zeiten: “Seid also wachsam!” (Mat. 25:13).

Geistige Wachsamkeit! Das nimmt in den Endzeitreden Jesu einen zentralen Platz ein. Wachen und ständig darum beten, d. h. um den eigenen Standpunkt ringen. 

Wer beschützt mich?

Ich kann mich nicht in die vielen Debatten stürzen, weil mein Glaube auf der Überzeugung ruht, dass Christus Herr der Lage ist. Was auch um mich herum geschieht, er sieht es und hilft mir dort, wo meine Kraft endet. Er kann mich gegen die “Weltbeherrscher dieser Finsternis” in Schutz nehmen:

“Wir wissen, dass jemand, der ein Kind Gottes geworden ist, nicht bedenkenlos weiter sündigt, denn der aus Gott Geborene [Jesus] wacht über ihn und der Böse tastet ihn nicht an.” (1. Joh. 5:18) 

“Weil du meine Aufforderung zur Standhaftigkeit beherzigt hast, werde auch ich dich bewahren/beachten in der Zeit der Versuchung, in der die ganze Menschheit den Mächten der Verführung ausgesetzt sein wird.” (Off. 3:10)

Die Welt in der Macht des Bösen

Die Bibel sagt mir ganz deutlich, dass die Welt in der Macht des Bösen ist. Dieser Böse ist nach den Worten Jesu der Vater der Lüge (Joh. 8:44), er ist ein Mörder, ein Totschläger. Und durch ihn ist die “Grundordnung zerbrochen” worden (Ps. 11:3). Er ist der “Weltbeherrscher dieser Finsternis”. Und da richtet der Gerechte nichts aus! Und denke ich an die vielen Weltverbesserer, von denen die Geschichte erzählt, dann habe ich nicht die geringste Lust, mich dort einzureihen, denn ihre Wege waren in der Regel mit Millionen Toten gepflastert. Geblieben sind die falschen Ideale – und die Sehnsucht der Menschen nach Gerechtigkeit. Und immer wieder sind neue Verführer da, die diese unerfüllte Sehnsucht zu stillen versprechen.

Wogegen kämpft ein Christ? 

Das wird klar ausgedrückt: 

“Und schließlich: Lasst euch stark machen durch den Herrn, durch seine gewaltige Kraft. Zieht die volle Rüstung Gottes an, damit ihr den heimtückischen Anschlägen der Teufels standhalten könnt. Wir kämpfen ja nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut, sondern gegen die dämonischen Mächte und Gewalten, gegen die Weltbeherrscher der Finsternis, gegen die bösartigen Geistwesen in der unsichtbaren Welt.” (Eph. 6:10-12)

Das muss ich mir immer wieder deutlich vor Augen führen! Meine Feinde sind unsichtbar und gerissen, heimtückisch und grausam. Was kann  ein Sterblicher dagegen ausrichten? Auf sich allein gestellt nur wenig, aber mit der Kraft Gottes, der Hilfe Jesu und seinem Glauben kann er sie besiegen, indem er nicht zulässt, dass sie ihn betrügen und verführen. Und nur auf dem Gebiet des Glaubens habe ich dier Unterstützung Gottes. Nur hier kann ich siegen! Und durch meinen Kampf beweise ich auch, dass ich Gott in allem vertraue. Durch meinen Sieg verurteile ich auch die Welt des Bösen. 

Das Denken wird von Gott beschützt

Und ich habe es erlebt, dass mein Denken beschützt wird, wenn alle Arten von Verschwörungstheorien auf mich niederregnen. Das ist eindeutig die Folge, wenn Frieden und Freude von Gott kommen:

“Freut euch jeden Tag, dass ihr mit dem Herrn verbunden seid! Ich sage euch noch einmal: Freut euch! … Macht euch keine Sorgen, sondern bringt eure Anliegen im Gebet mit Bitte und Danksagung vor Gott! Und sein Friede, der alles menschliche Denken übersteigt, wird euer Innerstes und eure Gedanken beschützen, denn ihr seid ja mit dem Christus verbunden.” (Phil. 4:4-7)

“Und Gott ist treu; er wird nicht zulassen, dass die Prüfung über eure Kraft geht. Er wird euch bei allen Versuchungen den Weg zeigen, auf dem ihr sie bestehen könnt.” (1. Kor. 10:13)

In diesen Zusagen Gottes ist alles enthalten, was ich benötige, um nicht Opfer von Verschwörungstheorien zu werden. 

Lohnt die Aufregung?

Trotzdem kommt es vor, dass ich mich über Ungerechtigkeit und über ihre Verursacher aufrege. Das kann meinen Frieden empfindlich stören. Und an dieser Stelle muss ich dann an den 37. Psalm denken, wo mir dieser Rat gegeben wird (Verse 1-8):

“Reg dich nicht über die Bösen auf, beneide die Verbrecher nicht! Sie verdorren schnell wie das Gras, welken wie das grüne Kraut. Vertraue auf Jehowah und tue das Gute, wohne im Land und sei ehrlich und treu. Erfreue dich an Jehowah! Er gibt dir, was dein Herz begehrt. Lass Jehowah dich führen! Vertraue  ihm, dann handelt er. Er wird dein Recht aufgehen lassen wie das Licht, deine Gerechtigkeit wie die Sonne am Mittag. Sei still vor Jehowah und warte auf ihn! Reg dich nicht über den auf, dem alles gelingt, über den, der böse Pläne ausführt. Steh ab vom Zorn und lass den Grimm! Reg dich nicht auf! Das führt nur zum Bösen.”

Das kann ich gut einsehen, denn meine geschichtliche Erfahrung bestätigt, dass Gewalt zum Bösen verführt. Gegen die bösen Geistermächte richtet aber meine Gewalt nichts aus.  Aufregung und Gewaltanwendung würden nur beweisen, dass ich nicht auf Gott warten will, bis er die Dinge in Ordnung bringt. 

Ich kann natürlich versuchen, meine Mitmenschen aufzuklären und den Weg zur Rettung zeigen. Aber auch hier bin ich nicht mächtig genug, um Menschen zu ändern. In den Sprüchen Salomos steht, dass die eigene Weisheit nur einem selbst nutzt. Ändern muss sich jeder selbst und darum kann ich nur Wegweiser sein. Aber eine Einmischung in eine öffentliche Debatte halte ich fast für sinnlos, denn neben dem “donnernden Wasserfall” wird die Stimme des Einzelnen nicht gehört, weil das donnernde Geschrei alles übertönt. Auch dafür sorgt der Teufel.

So will ich versuchen und darum kämpfen, in Frieden mit Gott zu leben, dann wird mein Denken beschützt. 

„Frei ist, wer seine Freiheit nutzt!“

”Sie versprechen Freiheit und machen die Menschen doch nur zu ihren Sklaven.” (2. Pe. 2:19)

Als Martin Luther 1520 seine dreißig Thesen “Von der Freiheit eines Christenmenschen” veröffentlicht hatte, entzog er der römisch-katholischen Kirche die Macht, die sie über ihn ausüben wollte. Fortan anerkannte er nur noch einen Herrn über sich an: Jesus Christus. Was Luther damals formulierte war revolutionär und entzog im Prinzip jeder organisierten Religion ihre Existenzberechtigung. Denn er hatte dies festgestellt:

“Also sagt St. Paulus: ‘Wir wollen für nichts mehr von den Leuten gehalten sein denn Christi Diener und Schaffner [Verwalter] des Evangeliums.’ 

Aber nun ist aus der Schaffnerei [Verwaltung] geworden eine solch weltliche, äußerliche, prächtige, furchtbare Herrschaft und Gewalt, dass ihr die rechte weltliche Macht in keinem Wege kann gleichen, gerade als wären die Laien etwas anderes denn Christenleute, womit hingenommen [weggenommen] ist der ganze Verstand [Verständnis] christlicher Gnade, Freiheit, Glaubens und alles, was wir von Christo haben, und Christus selbst; wir haben dafür überkommen [bekommen] viel Menschengesetz und -werk, sind ganz Knechte geworden der allerunwürdigsten Leute auf Erden.” 

Was Jesus wollte 

Jesus Christus hat seine Apostel und Jünger mehrmals ermahnt, keine Unterschiede und Rangordnungen zu schaffen, was ja im Denken gewöhnlicher Menschen einen großen Platz einnimmt: Fast jeder will der Größte sein. Unter seinen Nachfolgern aber sollte Besseres gelten:

“Ihr jedoch sollt euch niemals Rabbi nennen lassen, denn nur einer ist euer Rabbi, und ihr alle seid Brüder. … Der Größte unter euch soll euer Diener sein. Denn wer sich selbst erhöht, wird von Gott erniedrigt werden, wer sich aber selbst erniedrigt, wird von Gott erhöht werden.” (Mat. 23:8, 11)

Damit hat Jesus jeder Art von religiöser Hierarchie eine klare Absage erteilt und die Unterscheidung zwischen Geistlichen und Laien verboten. Seine Apostel haben das gut verstanden, als er ihnen beim letzten Passah die Füße gewaschen hatte. Denn damit hat Jesus selbst Sklavenarbeit verrichtet und den Aposteln ein Vorbild gegeben. 

Und so bemerken ich auch beim Lesen der christlichen Schriften der Bibel, dass die Gemeinden im frühen Christentum niemanden duldeten, der den ersten Platz beanspruchte um über die Gemeinde zu herrschen. Paulus formulierte das so: “Wir sind nicht Herren über euren Glauben, sondern Helfer zu eurer Freude, denn im Glauben steht ihr ja fest.” (2. Kor. 1:22) 

Es wird im Neuen Testament erstaunlich oft über die christliche Freiheit gesprochen. Sie steht im Mittelpunkt eines neuen Lebens, das einer geistigen Wieder- oder Neugeburt  entstammt. Der durch Jesus befreite Mensch ist mündig im Glauben und benötigt keine Bevormundung und keine Mittlerdienste von Menschen. Er trägt das Moralgesetz seines Gottes im Herzen und steht in eigener und freiwilliger Verantwortung vor Gott, dem er in seinem Gewissen begegnet. 

Der befreite Mensch hat den Mut einer gottfeindlichen Welt zu widerstehen; er ist nicht mehr durch Todesfurcht erpressbar und fürchtet die Meinung der Masse nicht. Das Grundgesetz seines Lebens ist die Liebe und seine bewusst gewollte Abhängigkeit von Gott, denn er hat eine deutliche Vorstellung vom Willen Gottes und will danach leben. Er will nicht mehr der Sklave seiner niederen Instinkte sein. Darum lebt er nicht “aus dem Bauch heraus”, sondern nach seinem Gewissen.

Im Brief an die Galater beschreibt Paulus die Freiheit eines Christen, der durch die Verbundenheit mit Jesus ein neues, selbstbestimmtes Leben führt. Nachdrücklich betont er die Bedeutung der Gnade Gottes, die jeden Versuch zunichte macht, sich selbst durch gute Werke rechtfertigen zu wollen oder dies von anderen zu verlangen. Er stellt ganz klar heraus, dass die Gerechtigkeit, die allein vor Gott zählt, ein Geschenk Gottes ist, das gegeben wird, wenn man sich an Christus hält. Er schreibt:

 “Jesus hat uns befreit, damit wir als Befreiten leben. Bleibt also standhaft und lasst euch nicht wieder in ein Sklavenjoch spannen.” (Gal. 5:1) 

Alle im Galater-Brief erwähnten Prinzipien sind im Grunde genommen auf die Herrschaft von Kirchen anzuwenden und widersprechen ihrem Verhalten ganz und gar.  Der ganze Plunder der institutionalisierten Religion, wie Mitgliedschaft, Geistliche, Sakramente, Beichten, Wallfahrten, Ablässe, Kirchengerichte u. v. m  ist für Christen nur überflüssiger Ballast und nur dazu geeignet, um über Menschen und ihren Glauben zu herrschen.  

Man muss sich einmal vorstellen, was es eigentlich bedeutet, wenn Paulus im Galater-Brief dies schreibt: 

“Er [Christus] sollte die loskaufen, die unter der Herrschaft des Gesetzes standen, damit wir das Sohnesrecht bekämen. Weil ihr nun Söhne seid, gab Gott euch den Geist seines Sohnes in euer Herz, der “Abba! Vater!” in uns ruft. Du bist also nicht länger Sklave, sondern Sohn! Und wenn du Sohn bist, dann hat Gott dich zum Erben gemacht.” (Gal. 4:5-7)

Damit unterstützt Paulus genau das, was über Jesus im Johannesevangelium gesagt wird:

“Doch allen, die ihn aufnahmen, die an seinen Namen glaubten, gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden.” (Joh. 1:12)

MIt diesem Recht auf Sohnes- oder Kindschaft werden die Nachfolger Jesu wirklich freie Menschen, die in ihrem Glauben keinen Menschen als obersten Hirten und Lehrer anerkennen, als nur Jesus Christus. Für sie gibt es nur einen Mittler zwischen Gott und den Menschen, und das ist Jesus (1. Tim. 2:5). 

In seiner Abschiedsrede  beim letzten Passahmahl  mit seinen Aposteln findet sich an keiner Stelle ein Hinweis auf eine religiöse Organisation, die sich als unentbehrlich zwischen Gott und Mensch hinstellen könnte (Joh. 13 bis 17). Jesus will selbst der Führer seiner Jünger sein, ihr Hirte und ihr Lehrer. Darüber hinaus sagte er ganz klar, dass der heilige Geist sie alle Dinge lehren würde, die sie wissen müssen. Die Rolle von Menschen reduzierte Jesus damit auf Hilfe und Beistand. Wer anderen im Glaubenskampf beisteht, macht es mit der Hilfe Jesu und darf keine Vormachtstellung oder Amt daraus ableiten.  Er muss ein Diener aller sein und selbst ein Vorbild in der Treue zu Jesus Christus. Er hat nur eine Aufgabe als Verwalter seiner Gaben zu erfüllen; er bekleidet kein Amt, keine erhöhte Stellung und hat keinen Anspruch auf besondere Ehre. 

Und solche Personen gab es im frühen Christentum. Sie wurden von der Gruppe der Gläubigen ausgewählt und mit einer bestimmten Aufgabe betraut.  Die Auswahl erfolgte gewöhnlich durch Handerheben und war die Verantwortung der ganzen Gemeinde. Und erst nach genauer Prüfung des Kandidaten wurde er dazu bestimmt, gewisse Aufgabe zum Wohl aller zu erfüllen. Wir haben ein gutes Beispiel in der Apostelgeschichte. An die Gruppe der Gläubigen gerichtet, sagten die Apostel:

“Seht euch nach sieben Männern unter euch um, liebe Brüder, denen wir diese Aufgabe übertragen können. Sie müssen einen guten Ruf haben und mit dem heiligen Geist und mit Weisheit erfüllt sein.” (Apg. 6:3)

Und wenn ich an Stephanus denke, der einer von den sieben war, dann habe ich eine gute Vorstellung von der geistig-christlichen Qualität dieser Männer. 

Die christliche Freiheit wurde aufgegeben!

Unter solchen Menschen konnte es kaum zu dem kommen, was kurze Zeit später allgemein wurde: Die Errichtung einer Menschenherrschaft. Der Apostel Johannes nennt einen Namen: Diotrephes. Über ihn schrieb Johannes: 

“Ich habe der Gemeinde einen Brief geschrieben. Aber Diotrephes, der sich für den ersten Mann in der Gemeinde hält, will nicht auf uns hören. … Vor allem aber verweigert er den durchreisenden Brüdern die Gastfreundschaft. Und wenn andere sie aufnehmen wollen, hindert er sie nicht nur daran, sondern stößt sie sogar aus der Gemeinde aus.” (3. Joh. 9, 10) 

An dieser Stelle muss ich mich fragen, warum das möglich war und warum die Gemeinde das zugelassen hatte. Hier zeichnet sich schon ein bestimmtes Verhaltensmuster ab: Wer nach Macht in der Gemeinde strebt, stößt Widersprechende aus der Gemeinde aus.  Die Ächtung wird als Machtinstrument eingesetzt. Ursprünglich trennte sich eine Gemeinde von Menschen, die den Weg Christi reuelos verlassen hatten. Sie wurde aber nicht als Feinde gesehen und behandelt. Das kam später hinzu, und wurde verschärft bis zur völligen Rechtlosigkeit des Betroffenen (Es gab eine Zeit, da waren exkommunizierte “Ketzer” in der RKK vogelfrei!). Durch Diotrephes und andere wurde die Exkommunikation zur Waffe gegen jeden Widerspruch. 

Und die Gläubigen haben das zugelassen! 

Wie dies geschehen ist, kann man aus der Bibel erkennen. In den sieben Briefen Jesu an seine Gemeinde (Off. 2 und 3) werden seine Jünger mehrmals dafür kritisiert, dass sie unchristliche Verhaltensweisen und die Herrschaft von Menschen in ihrer Gemeinde zugelassen hatten! Es mag mit den “superfeinen Aposteln”, die Paulus im Brief an die Korinther erwähnte, begonnen haben:

“Denn diese Leute sind falsche Apostel, unehrliche Arbeiter, die sich freilich als Apostel von Christus ausgeben. Aber das ist kein Wunder. Auch der Satan tarnt sich als Engel des Lichts. Es ist also nichts Besonderes, wenn auch seine Diener mit der Maske von Dienern der Gerechtigkeit auftreten.” (2. Kor. 11:13-15)

Und dann musste ihnen der Apostel vorwerfen, dass sie es so gewollt haben, dass sie diese Leute unter sich geduldet haben:

“Ihr klugen Leute lasst euch ja die Narren gern gefallen, denn ihr ertragt es, wenn jemand euch versklavt, ausnützt und einfängt, wenn jemand euch verachtet und ins Gesicht schlägt.”

Mit diesen falschen Aposteln hatten sich die Korinther Lehrer angeschafft, dier ihnen die Ohren mit Sonderlehren kitzelten, die damals durch die Gnosis verbreitet wurden. Diese Lehrer sagten ihnen das, was sie gerne hören wollten und was ihren Wünschen  entsprach. Vermutlich haben sie aufgehört, die Worte Jesus ernst zu nehmen, sich genau daran zu halten und lieber griechische Philosophie betrieben und jüdischen Fabeln  geglaubt, als ein ehrliches Glaubensleben zu führen. Wenn ich noch einmal auf Jesu Ermahnungen in der Offenbarung denke, dann kann es auch sein, dass sich die Korinther mit dem politischen Denken ihrer Zeit infiziert hatten. Und Jesus hat seine Jünger streng zurechtgewiesen, weil sie diese Zustände zugelassen und nicht geändert haben! Sie hatten und haben die Pflicht, ihre christliche Freiheit zu verteidigen! Die christliche Freiheit aber verteidigt man nur, wenn man sich ihres eigentlichen Wertes bewusst ist und wenn man den Mut hat, der aus dem Glauben stammt. 

Vielleicht habe viele schwach gewordene Christen auch gesagt, dass Gott oder Jesus die Verhältnisse ändern würden, wenn sie es für nötig hielten. Aber das ist ein trügerische Einbildung! Jeder Christ hat die eindeutige Verantwortung, seine Freiheit zu verteidigen und zu bewahren. Denn das bedeutet es eigentlich, seinen Glauben zu verteidigen. Aber verteidigen wird man nur etwas, was man hat. Wenn der Glaube schwach und schwächer wird, wenn alles mehr Formsache und Tradition wird, wenn das Glaubensleben von anderen verwaltet und beherrscht wird, dann bleibt man nicht lange ein treuer, vertrauender Jünger Jesu, dann wird man zum Mitglied einer institutionalisierten Religion.

Wenn man den Weg des Christentums gehen will, dann hat man nur noch die Möglichkeit, sich von der religiösen Herrschaft der Menschen zu befreien. Dann geht man selbst und bewahrt so sein gutes Gewissen. Denn es hat sich leider gezeigt, dass eine Umkehr zu den Grundprinzipien des Christentums für die institutionalisierten Religion nicht möglich ist. Dazu sind die Machtstrukturen zu stark geworden und eigentlich vom Bösen beherrscht. Natürlich kann man in seiner angestammten Religionsorganisation bleiben und versuchen, den “Apparat” von innen her zu verändern, indem man ein wahrhaft christliches Leben führt und Kritik übt. Aber wie lange wird das gut gehen? Und ist der Umgang mit Menschen, die Gott kaum kennen, dem eigenen geistigen Wohl förderlich? Und wie wird es mit der Mitschuld aussehen, die man auf sich laden kann, wenn man durch sein Bleiben den ganzen Betrieb gut heißt und unterstützt? “Glücklich der Mensch, der sich nicht ins Gericht bringt, durch das, was er billigt!”, so steht es im Brief an die Römer (14:22). Und was sagt am Ende mein Gewissen dazu? Bin ich nicht aufgefordert worden, das Unreine, Falsche, Finstere und Verlogene zu meiden (2. Kor. 6:14-18)? Ich habe diese Fragen im Brief an die Korinther für mich beantwortet: Ich habe den “Betrieb” verlassen und bin glücklich dabei!


Seelische Magersucht

“Ihr dürft nicht mehr so leben wie die Menschen, die Gott nicht kennen. Ihr Leben und Denken ist von NIchtigkeiten bestimmt, und in ihrem Verstand ist es finster, weil sie vom Leben mit Gott ausgeschlossen sind. Das kommt von der Unwissenheit, in der sie befangen sind, und von ihrem verstockten Herzen. So sind sie in ihrem Gewissen abgestumpft und haben sich ungezügelten Lüsten hingegeben und  sind unersättlich in sexueller Unmoral  und Habgier.” (Bibel, Eph. 4:17-19)

Nichts Neues!

Es ist allgemein bekannt, dass an vielen Orten der Welt gehungert wird. Über die Bildschirme wehen die Bilder von hungernden Kindern täglich an uns vorbei. In den Nachrichten wird über die Brennpunkte des Hungers berichtet und wir erfahren dort, dass gegenwärtig über 800 Millionen Mitmenschen hungern! Und es wird auch fleißig über die vielen Gegenmaßnahmen reportiert: Man spendet und sammelt ungeheure Geldsummen für die Sättigung der Hungernden und hat großartige Programme für die Ursachenbekämpfung beschlossen. Und doch: von Jahr zu Jahr steigt die Zahl der Hungeropfer! Alle Hilfen scheinen nicht zu wirken, wie es die Welthungerhilfe der UN kürzlich berichtete. Der Kampf gegen den Hunger scheint ebenso erfolglos zu sein, wie der Kampf gegen Terrorismus und Erderwärmung und Krieg. 

Warum ist das so?

Steht vielleicht im Hintergrund ein ganz anderes Problem, eines, das von vornherein jede Lösung verhindert? Die Ursache des weltweiten Hungers ist nicht der Mangel an Nahrung! Noch würde die Nahrungserzeugung alle Menschen satt machen können, auch wenn die Klimaveränderung zu immer heftigeren Ernteausfällen führt und ganze Länder vertrocknen. Zu dieser  Ursache des Hungers kommen noch Kriege, Terrorismus, Bürgerkriege, soziale Ungerechtigkeit, verzerrter Welthandel, Landflucht, Korruption und landgrabbing hinzu. Verschärft wird das Problem noch durch Verschwendungssucht, Gedankenlosigkeit und durch die Corona-Pandemie. Man gewinnt den Eindruck, dass diese Ursachen die direkte Folge einer weit verbreiteten “seelischen Magersucht” sind, denn auch das Hungerproblem hat mit dem Verlust der Werte zu tun. Das ist eine Beobachtung, die man schon lange macht. Auf den weltweiten Hunger bezogen bedeutet dies, dass die Herzen der meisten so blind sind, dass sie die eigentliche Ursache nicht ernst nehmen wollen. Denn wenn Menschen hungern und verhungern, dann hat die Gemeinschaft einen moralischen Defekt. Alle die aufgezählten Ursachen des Hungers fallen nicht wie der Regen vom Himmel, sondern sind gemacht, gewollt, verursacht und hingenommen!

Seelische Magersucht ist die eigentliche Hungersnot dieser Welt!

Tatsächlich kann man alle gegenwärtigen Bedrohungen und nicht nur den Hunger auf das menschliche Fehlverhalten zurückführen. Aber wie kommt es zur  “seelischen Magersucht”?

Im Licht der Aussagen der Bibel ist die Sache gut durchschaubar: Die weitverbreitete Habgier ist die Triebkraft, die unsere Welt durchzieht wie ein giftiger Pilz, der im Dunkeln wuchert und wächst. Die Gier nach Geld, Macht und Sex beherrscht fast alles und jeden!

Alles steht unter dem Zwang der Gewinnmaximierung. Es muss – so wird beschwörend propagiert – Wachstum geben. Wachstum ist das Zauberwort, die Beschwörungsformel, das Maß aller Dinge geworden. In den Kursen an den Börsen wird das Wachstum wie eine Monstranz verehrt; man “betet” es an und ist tief unglücklich, wenn es nicht groß genug ausfällt. Aber wie weit kann Wachstum wachsen? Gibt es Bäume, die in den Himmel wachsen? Hat nicht alles seine Grenze? Und das wirtschaftliche Wachstum sollte eine Ausnahme bilden, weil die Habgier nie zufrieden ist, weil sie unersättlich gierig ist? Es gibt Krankheiten, die ihren Patienten zerstören. Und die Habgier ist so eine Krankheit des inneren Menschen.

Gigantomanie

Rund um den Erdball wachsen gigantische Städte wie Pilze nach dem Regen aus dem Boden. Hochhäuser wetteifern, Bankentürme sollen Macht symbolisieren und die im Umlauf befindlichen Geldsummen finden keine Entsprechung mehr in der realen Welt. Alles ist bis zum Platzen aufgebläht und die Staaten verschulden sich in unverantwortlicher Weise. Ein Tanz um das Geld findet statt, und immer mehr Menschen tanzen mit. Sie tanzen und sind berauscht von den Börsengewinnen. Der Weg in die rosige Zukunft ist eine neue Seidenstraße!  Berauschend schöne Bilder werden in den Sinn gemalt, machen süchtig und wecken die Gier nach mehr, mit der Folge, dass die Armen immer ärmer werden und die wenigen Reichen sinnlos Geld anhäufen und ruhig zusehen, wie ihre Gier Menschen tötet. Ja, um die Habgier zu befriedigen, nimmt man sinnlose Menschenopfer ruhig in Kauf. Dieser allgemeine Rausch raubt den Verstand und rechtfertigt jedes Mittel zur Geldvermehrung. Es scheint, dass unsere Welt gerade das radikal wahr machen will, was prophezeit worden war: 

Es war in der Ebene Schinar, als die Leute zueinander sagten: “Los! Bauen wir eine Stadt und einen Turm, der bis in den Himmel reicht!” Als Gott das sah, zog er folgende Schlussfolgerung: “Es ist offensichtlich: Sie sind ein Volk und haben eine Sprache. Und was sie jetzt begonnen haben, zeigt, dass ihnen zukünftig nichts unmöglich sein wird. Sie werden alles tun, was sie sich ausdenken.”  (1. Mo. 11:4, 6)

Damals war ein Damm gebrochen und das selbstsüchtige, rücksichtslose Denken überschwemmte die Welt! Und das Unheil nahm seinen Lauf zum heutigen, vorläufigen Höhepunkt. Was war im Bewusstsein der Menschen passiert? Was hat dazu geführt, dass sie irrsinnig wurden und sich dem Rausch der Habgier auslieferten? Um das zu verstehen, war ich gezwungen nach Spuren in der jüdischen Geschichte zu suchen. Im 106. Psalm wird Gottes Güte mit seinem Volk Israel besungen. Aber statt dankbar zu sein für die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten, wurden das Volk unverschämt und beklagte sich. Dann heißt es im Vers 14, 15:

“In der Wüste entflammte ihre Gier, sie versuchten Gott in der Öde. Da gab er ihnen, was sie verlangten – und schickte Magersucht in ihre Seele.”

Sie forderten Fleisch zu Essen. Da gab Gott ihnen Wachteln bis zum Überdruss. Und in solchen Begebenheiten spiegeln sich Menschen, die keinen Glauben haben, für die Gott nur ein Wort ist. Es half ihnen nichts, dass sie Gottes Wunder miterlebt hatten und dass sie Zeugen seiner Macht wurden. Ihre Herzen blieben unberührt. Sie wurden von ihrer Gier getrieben und wollten nicht wahrnehmen, dass der Mensch nicht nur von Brot allein lebt, sondern vor allem vom Wort Gottes, das sich an ihnen zu ihrem Besten erfüllen sollte. 

“Da schickte er Magersucht in ihre Seele!” 

Diese seelische Magersucht besteht zuerst im Verlust Gottes und dann im Verlust vieler menschlicher Qualitäten wie Liebe, Barmherzigkeit, Mitgefühl, Verantwortungsbewusstsein und noch einmal Nächstenliebe. Im Psalm 78:33 heißt es in dieser Verbindung: “Da nahm er ihrem Leben den Sinn.” Im Brief an die Römer wird ein Zusammenhang hergestellt zwischen Gottesglauben und Moralität:

“Und weil sie es nicht für gut hielten, Gott anzuerkennen, lieferte sie Gott einem verworfenen Denken aus, so dass sie das tun, was man nicht tun darf.” (Rö. 1:28)

Das Denken dieser Menschen wurde nicht mehr von Gottes Geist der Liebe beeinflusst; es hatte sich ganz und gar von Gott entfernt. Nicht einmal die Stimme ihres Gewissens konnte sie zurückhalten: Der Damm war gebrochen! Nichts konnte sie hindern, den Mitmenschen auszurauben, zu betrügen, zu belügen und zu morden. Und so wurde nach dem Turmbau zu Babel gelebt! Es gab nur noch pro forma Verantwortung für den Mitmenschen. “Wir machen, was wir wollen!”, das wurde zum Lebensgrundsatz. Die Habgier wurde zum Antrieb für diese Welt; ihr wurde alles unterworfen. Für sie führte man Kriege und unterjochte ganze Völker, wenn man sie vorher nicht schon ausgelöscht hatte. “Genozid” wurde ein sehr bekanntes Wort, weil es auch die Auslöschung indigener Völker beinhaltet. Für die Habsucht plünderte man Kolonialvölker aus und machte sie zu Sklaven. Auf ihr Konto geht auch das Proletariat der Industrien, für sie gingen die Feuer in den Hochöfen nicht mehr aus, für sie machte man Bauern zu Lohnarbeitern und raubte ihnen ihr Land durch Hedgefonds. Für die Habgier geht man daran, Völker zu versklaven und in Diktaturen zu beherrschen, für sie baut man die Metropolen mit den mächtigen Bankhäusern und für sie hinterziehen die Größen der Politik und der Wirtschaft Milliarden an Steuern, wie es jetzt auch wieder in großem Maß bekannt wurde (Pandora-Papers). Diese gewissenlosen und habgierigen leeren Menschen sind die Großen der Zeit!  Sie benehmen sich wie Raubtiere, wie “die wilden Tiere der Erde”, von denen die Offenbarung spricht (Kap- 6:8). Und so taumelt diese Menschheit in geistiger und moralischer Auflösung dahin. Wo will man hin, wo wird man enden?

Gegenwärtig ist in Deutschland alles auf die Rettung des Weltklimas eingestellt. Man kocht “klimaneutral”, man isst “klimaneutral” und zeugt “klimaneutral” Kinder. Mit diesen Kindereien will man die Katastrophe abwenden? Man sorgt sich um sauberes Wasser und saubere Luft, man versucht  biologischen Landbau und eine tiergerechte Tierhaltung. Dagegen ist auch nichts zu sagen, aber ist das nicht nur ein kleines Heftpflaster auf ein riesiges  Krebsgeschwür? Es wird von Monat zu Monat deutlicher, dass uns die Zeit davon läuft! Und das gilt nicht nur für das Klima, sondern für alle anderen Probleme auch. Die Katastrophen warten nicht, bis einmal eine allgemein akzeptierte Haltung auch durchgesetzt wird. Da sind die kleinen Bemühungen gut gemeint, aber kaum wirksam, denn das Problem liegt im Bewusstsein der Allgemeinheit: Es ist die seelische Magersucht! Es ist die Verarmung des inneren Menschen, der Verlust seiner selbst! Wie wahr, wenn Jesus fragte: “Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt und doch seine Seele verliert?”

Muss man so leben?

Natürlich muss man so nicht leben, dass eine seelische Magersucht uns zu hartherzigen, egoistischen Monstern macht, die nur nur von Trieben regiert werden. Wir sind von unserer Anlage her dazu gerüstet, nicht so  leben zu müssen, wie es gegenwärtig getan wird. Wir haben die Möglichkeiten besser zu leben! Ich möchte noch einmal darauf hinweisen, dass die seelische Magersucht die Folge der Trennung von Gott ist. Das ist das grundlegende Problem dieser Menschheit! 

Es macht wenig Sinn, von einer Umverteilung der Güter zu träumen, denn die seelische Magersucht betrifft Arme und Reiche. In der Auseinandersetzung zwischen Arm und Reich sind Opfer und Täter austauschbar, wie es die Geschichte zeigt. Solange im Bewusstsein der Menschen keine Änderung erfolgt, sind alle Bemühungen um soziale Gerechtigkeit dazu verurteilt, im Sande zu verlaufen. Eine Änderung aber verlangt eine Umkehr zu Gott, denn nur er kann die Krankheit “Habgier” heilen, nur er kann den Menschen von der seelischen Magersucht befreien. Nun rechne ich schon lange nicht mehr damit, dass ein allgemeines Umdenken den Lauf in den Untergang abwenden wird. Nein, bis zum bitteren Ende wird man weiter dem Geld hinterherjagen. Es wird so kommen, wie es die Bibel sagt: 

“Die Welt vergeht und ebenso ihre Begierde/Gier, doch wer tut, was Gott will, bleibt und lebt in Ewigkeit!” (1. Joh. 2:17).

Was Vertrauen auf Gott bedeutet

Wer Gott erkannt hat, wird nicht mehr von der Gier nach Geld und Macht angetrieben! So ein Mensch hat den Weg zu Gott und zu sich selbst gefunden und die Macht der Liebe erfahren. Sein Inneres ist durch Gottes Einfluss neu gestaltet worden und er fühlt sich heute schon als Bürger des Reiches Gottes, und so versucht er zu leben. Für ihn ist es schwärzester Götzendienst, wenn er der Habgier seine Ergebenheit und Treue, seine ganze Kraft schenken wollte. Im Mittelpunkt seines Lebens steht sein Vater im Himmel und nicht das Geld und was es repräsentiert. Und er weiß sich und sein Leben bei Gott in guten Händen.

Die einfachen Worte Jesu aus der Bergpredigt

Der Mensch im Sinne Gottes lebt zuerst nicht von Brot allein, Er lebt durch Gott und mit Gott. Das zeigt sich in seinem Respekt vor dem Moralgesetz Gottes und dadurch, dass er in seinem Leben immer wieder zeigt, dass es ihm zuerst auf den Willen Gottes ankommt. Die Worte Jesu diesbezüglich hat er verinnerlicht und weiß, dass er nicht Gott und dem Reichtum gleichzeitig dienen kann (Mat. 6:24):

“Macht euch also keine Sorgen! Fragt nicht: ‘Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? Denn damit plagen sich die Menschen dieser Welt herum. Euer Vater weiß doch, dass ihr das alles braucht! Euch soll es zuerst um Gottes Reich  und um seine Gerechtigkeit gehen, dann wird er euch alles Übrige dazugeben.” (Mat. 6:31-33)

“Dann wird er euch alles Übrige dazugeben”, das glaubt ein Christ, darauf vertraut er! Und darum wird sein Ziel im Leben nicht das Reichwerden sein, sondern sein wirkliches, inneres Leben, das von Gottes Gerechtigkeit und Liebe bestimmt wird. Denn er hat eingesehen, dass man nur mit Gott und niemals gegen ihn leben kann. Er hat erkannt, wie bereichernd und schön es ist, den Nächsten zu lieben und für ihn da zu sein. Er hat dabei sich selbst gefunden. Er wird immer auf Gott vertrauen und von ihm Hilfe erwarten und nicht vom Reichtum. Und dann ist es leicht einzusehen, dass damit die Habgier stirbt und es keinen Antrieb  mehr für das gibt, was die Menschheit zerstört. Denn die Habgier trennt von Gott und zerstört den Menschen!

Das wahre Leben

Man darf nicht erwarten, dass so ein Leben allgemein in dieser Welt von allen geführt werden wird, solange die Grundordnung zerbrochen ist. Das wird nur im Reich Gottes wahr werden, wenn die Menschen Gott gesehen und ihn erkannt haben, wenn es ihr Herzenstrieb ist, ihrer eigenen Bestimmung gemäß zu leben. Und das ist die Liebe, die uneigennützige und auf den Mitmenschen gerichtete Liebe. Diese Menschen haben sich einer himmlischen Kraft unterstellt, die sie besser und menschlicher macht:

“Wenn ihr nun mit Christus, dem Messias, zu einem neuen Leben auferstanden seid, dann richtet euch ganz nach oben aus, wo Christus ist: auf dem Ehrenplatz neben Gott. … Darum tötet alles, was zu eurer früheren Natur gehört: sexuelle Unmoral, Schamlosigkeit, Leidenschaft, böse Lüste und Habgier, die Götzendienst ist. Diese Dinge ziehen Gottes Zorn nach sich. Er wird die treffen, die ihm nicht gehorchen.”

“… [ihr] seid neue Menschen geworden, die ständig erneuert werden und so immer mehr dem Bild entsprechen, das der Schöpfer schon in euch sieht.”  (aus Epheser 3)

Das neue Leben wird nicht von Habgier bestimmt, sondern von der Liebe! Sie ist die mächtige Triebkraft, die ein Leben erst sinnvoll und erfüllend macht. 

Der Meinungskrieg

Ist die Welt wahnsinnig geworden?

Da sitze ich nun mit verschränkten Armen, gesenktem Kopf und geschlossenen Augen und  denke nach. Ist die Welt wahnsinnig geworden? Wie soll ich die Zeichen der Zeit deuten? Überall schlägt der Wahnsinn hohe Wellen. Die Menschen werden von niederen Leidenschaften aufgepeitscht, und an vielen Orten auf der Welt ist es nicht mehr möglich als Mensch zu leben. Überall sind Brandstifter am Werk und es brennt! Meine Gedanken kreisen und kreisen. Es belastet mich. Es raubt mir den Frieden. 

Eine Pandemie zeigt die Zukunft

In Deutschland lebt man noch in relativem Frieden; Aufruhr und Krieg sind bisher nur anderswo. Aber ein ganz anderer Krieg brennt. Es ist die Corona Pandemie mit  ihren gesellschaftlichen Folgen. Die Corona Pandemie hat es offen gelegt: Die Menschen verlieren fast den Verstand und den moralischen Halt sowieso. Die Pandemie zeigt mir, was die Zukunft bringt: Sie spiegelt die Zerrissenheit der menschlichen Gesellschaften wider. Sie legt die Tatsache bloß, dass fast jeder gegen jeden ist und dass ein allen gemeinsamer Konsens fehlt. Wenn in Babel die Sprachen verwirrt worden sind, dann ist in der Neuzeit die Verwirrung der Herzen zum Höhepunkt gekommen.

Das besetzte Denken

Es war ein langer Weg bis zu diesem Punkt. Der eigentliche Erdrutsch begann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als abenteuerliche Ideen von den meisten Menschen Besitz ergriffen. Plötzlich war der Mensch der Herr der Geschichte und ihr Mittelpunkt. Die Darwinsche Theorie löste die Schöpfung ab, die Psychoanalyse befreite den Menschen von seiner göttlichen Verantwortung und von seiner Schuld, der Marxismus stellte den Menschen in die “gesetzmäßig” sich abwickelnde Geschichte.  Pseudowissenschaft und Spiritismus erlebten eine Blütezeit und viele neue, absonderliche Weltanschauungen und Religionen entstanden (Mormonen, Russelliten, neue Freimaurersekten, Evangelikale, Heilsarmee, Theosophen, Anthroposophen, Adventisten, Spiritisten, Nihilisten, Nationalisten, Satanisten usw.). Plötzlich herrschte ein sehr großes Angebot an „neuen“ Lehren und Kulten. Für jeden schien etwas dabei zu sein. Sehr viele orientierungslose Menschen schlossen sich den neuen Ideen an, weil sie auf der Suche nach einem Halt waren. Man lockte sie mit „geheimen Lehren“ aus Indien, Tibet und der ägyptischen Mythologie (“Pyramidologie”) an, kurz mit allem, was irgendwie geheimnisvoll daherkam. Man betrieb eine Verschmelzung christlicher und heidnischer Lehren mit dem Okkultismus  vergangener Zeiten und sah im Heidentum auf einmal „christliche Züge“.

 Es gab die alten Verbindlichkeiten nicht mehr und ein Historiker (Max Weber) sprach von der “Entzauberung der Welt”: Gott verschwand aus dem Denken und Fühlen der meisten Menschen und fortan war der Mensch ohne göttlichen Halt und Mittelpunkt ein Spielball der Meinungen und damit das Objekt für Manipulationen geworden.  Indem das Denken von pseudowissenschaftlichen, heidnischen und okkulten Gedanken besetzt wurde, gewann man die Herrschaft über viele+ Menschen. Heute taumelt die Welt in geistig-moralischer Auflösung dahin in den Abgrund; sie ertrinkt im Blut. Vorbereitet wurde es durch dämonische Mächte, die den Glauben an Gott durch gottesfeindliche Propaganda und Verführung bei den meisten zerstörten.

Der Meinungskrieg ist ein Propagandakrieg

Wir erleben eine Zeit, wie sie vorher noch nie da war: In allen Medien tobt und wütet ein Meinungskrieg, in dem alles erlaubt ist. Von der offenen Lüge über die Halbwahrheit zur Täuschung mit gefälschten Statistiken ist alles da. Es herrscht ein erbitterter Kampf um die öffentliche Aufmerksamkeit, der weder vor Skandalen noch vor Schamlosigkeiten zurückschreckt. Es geht schon lange nicht mehr um Wahrheit, sondern um Rechthaberei und Manipulation. Es werden Gefahren beschworen, die in der Wirklichkeit nicht existieren, die aber ungeheure Ängste erzeugen. Viele Menschen geraten in Panik, werden davon beherrscht und werden unsinnig reagieren. Und in der Weltpolitik herrschen die Ungeheuer mit freundlich lächelnden Gesichtern! Aus dem Krieg der Worte werden leicht wirkliche, blutige Kriege.

Die Gefahr für das eigene Denken

Ich habe mich, weil ich genau wissen wollte, was ich glaube und denke, immer wieder damit beschäftigt. Wozu führte das? Bei mir führte es dazu, dass mein Denken erst unmerklich dann aber immer stärker besetzt wurde. Und das hatte Folgen! Plötzlich bemerkt man, wie man in einen Krieg hineingezogen wird, den man eigentlich nicht will. Man empört sich über die offenen Unverschämtheiten und Skrupellosigkeiten und das alles nimmt einen immer größeren Raum im Denken ein. Und dann ist da noch die Gefahr, dass man in diesem unehrlichen Meinungsstreit auch noch für irgendeine Seite Partei ergreift. 

Schluss!

Es konnte so nicht weitergehen! Ich musste mich aus diesem lebensgefährlichen Kampf heraus halten, sonst drohte die Gefahr, dass ich das Wesentliche  meines Lebens aus den Augen verlieren könnte. Ich musste mir klar machen, in welcher Zeit und unter welchen Menschen ich lebte. Ich musste es mir bewusst machen, dass ich in der Zeit des Generalangriffs auf das Bewusstsein des Menschen lebe! Abaddon hat seine Dämonen hochgelassen! Das wird anschaulich in Offenbarung, Kapitel 9 beschrieben. Alles rüstet zum Zusammenstoß mit Gott! Und ich kann und will diese Warnung der Bibel nicht vergessen. 

Die Zeit ist da!

Jesus Christus richtete an seine Nachfolger eine ernste Mahnung: Sie sollten wachsam bleiben und sich nicht verführen lassen: 

“Gebt acht, dass euch niemand irreführt!, … Viele werden unter meinem Namen auftreten und von sich sagen: ‘Ich bin es!’ und ‘Die Zeit ist da!’ Lauft ihnen nicht nach!” (Luk. 21:8)

“Seid wachsam und hört nicht auf zu beten, damit ihr die Kraft habt, all dem, was geschehen wird, zu entkommen, und damit ihr zuversichtlich vor den Menschensohn treten könnt.” (Luk 21:36)

“Weil du meine Aufforderung zur Standhaftigkeit beherzigt hast, werde auch ich dich beachten/bewahren in/vor der Zeit der Versuchung, in der die ganze Menschheit den Mächten der Verführung ausgesetzt sein wird.” (Off. 3:10)

Die Mächte der Verführung sind da – und sind aktiv! Es wäre naiv und geradezu leichtsinnig, sie zu ignorieren. Schon immer hat Satan die “Luft” beherrscht, das heißt, das geistige Klima dieser Welt. Und es wurde immer schwieriger für die Menschen, sich diesem Klima zu entziehen. Die Neuzeit liefert viele Beispiele für die Verführung ganz großer Massen. Zu Millionen sind sie irgendeinem “Heilsbringer” nachgelaufen und nahmen Schaden an ihrem Menschentum, wurden mitschuldig an großen Verbrechen und am Untergang. Und jetzt ist die letzte große Mobilmachung – so empfinde ich es. Der letzte Kampf wird vorbereitet und ich wünsche nicht dabei zu sein!  

Die Gewissheit

Es steht mir glasklar vor Augen, dass sich das Wort und der Wille meines Vaters im Himmel erfüllen muss und dass ich auf sein Reich warten und hoffen darf. Ich weiß doch, an wen ich glaube und wem ich vertraue. Und ich weiß ja noch mehr! Mir ist doch bewusst geworden, dass ich nicht mir selbst überlassen worden bin. Ich habe einen Vater und einen Bruder im Himmel die auf mich achten! Und das habe ich auf meinem Lebensweg immer wieder erlebt. Denke ich zurück, dann erinnere ich mich an viele Gelegenheiten, in denen ich beschützt, belehrt, erzogen und geschult worden bin.  Ja, ich habe bisher ein Leben an Gottes Hand geführt! Was sollte mich da noch beunruhigen? Ich beschrieb einmal, dass ich mit Jesus im Boot sitze. Der große Sturm tobt und droht. Der Himmel sieht bedrohlich aus und verheißt nichts Gutes. Aber Jesus ist mit im Boot! Und wie seine Jünger, die damals mit ihm über den unruhigen See Genezareth fuhren, muss auch ich keine Angst haben! Jesus Christus hat alle Macht im Himmel und auf Erden bekommen und hat ALLES im Griff! Ich kann ohne Sorge sein, denn immer ‚gehöre ich dem Herrn‘! (Rö. 14:8)

Dieses Leben unter Gottes Augen ist aber kein Automatismus, keine Selbstverständlichkeit. Ein Mensch, der glaubt und vertraut, muss seine Nähe zu Gott verteidigen und ständig erneuern. Jesus hat oft darauf hingewiesen und betont, wie wichtig, ja lebenswichtig, das Gebet ist, denn es stellt unsere Verbindung zum Vater im Himmel her. Und nur in der engen göttlichen Verbundenheit sind wir beschützt. Der Apostel Petrus hat es so formuliert:

“Demütigt euch daher unter Gottes mächtige Hand, dann wird er euch zur richtigen Zeit erhöhen. Und werft alle eure Sorgen auf ihn, denn er sorgt sich um alles, was euch betrifft.” (1. Pe. 5:6, 7)

Davon  bin ich überzeugt! Das will ich immer tun! 

Das alles haben die Begleitumstände der Corona Pandemie in mein Bewusstsein transportiert. Sie war für mich der aktuelle Anlass über all das nachzudenken. Nun bin ich zufrieden und kann ruhig sein. 

Warten

Von Lot, dem Neffen Abrahams, heißt es, dass “er Tag für Tag seine gerechte Seele quälte”, weil er unter den bösen Taten seiner Umgebung litt. Wer sich damit quält, muss ein empfindliches Gewissen haben und schlechte Taten hassen, denn er weiß, dass Gott so etwas auch nicht gutheißt. Und ich kann mir gut vorstellen, dass so ein Mensch eine tiefe Sehnsucht nach der göttlichen Gerechtigkeit hat und darauf wartet, dass Gott dem Verbrechen ein Ende setzt. Dieses Warten finde ich bei allen Glaubenden in der Bibel. Und immer ist es schwer, zu warten, wie wir es an Habakuk bemerken:

“Wie lange schreie ich schon zu dir, Jehowah, doch du hörst mich nicht! Ich rufe ‘Hilfe!’ und ‘Gewalt!’, doch du rettest nicht. Warum lässt du mich das Unrecht sehen? Warum schaust du dem Verderben zu? Warum sehe ich nur Frevel und Gewalt, erlebe Zwietracht und Streit?” (Hab. 1:2, 3)

Gott antwortet auf diese vorwurfsvollen Fragen mit der Ankündigung seiner Strafe durch die Babylonier, aber Habakuk will mehr wissen, will wissen, wie lange er noch warten muss. Der Prophet kann sich nicht vorstellen, dass sein Gott unbeteiligt dem Treiben der Bösen zusieht: 

“‘Du hast zu reine Augen, um Böses mit anzusehen, du schaust nicht bei Misshandlungen zu!’, stellt er fest und – wundert sich: ‘Warum lässt du dann diese Räuber gewähren? Warum schweigst du, wenn der Gottlose den Gerechten verschlingt?’” (Hab. 1:13)

Der Prophet bekommt eine Vision und den Auftrag, sie deutlich niederzuschreiben:

“Denn was du schaust, gilt zur bestimmten Zeit, es weist auf das Ende hin, es täuscht dich nicht. Und wenn es sich verzögert, warte darauf, denn es kommt bestimmt, es bleibt nicht aus!

Sieh, die Strafe trifft den, der nicht aufrichtig ist! Doch der Gerechte lebt durch seinen Glauben.” (Hab. 2:3,4)

Gott nennt kein Datum, an dem er das Urteil über die Bösen vollstrecken will; er fordert nur dazu auf zu warten und zu vertrauen, denn der Gerechte wird durch sein Vertrauen davonkommen und leben. Gott erwartet also von seinem Diener Geduld und Vertrauen, denn er betont, “denn es kommt bestimmt, es bleibt nicht aus”. Darum schrieb Jakobus, dass Verheißungen Gottes durch Geduld geerbt werden, und führt weiter aus:

“Nehmt euch die Propheten, die im Namen des Herrn gesprochen haben, als Beispiel. Wie standhaft haben sie ihre Leiden getragen. Ihr wisst ja, dass wir die glücklich preisen, die durchhalten. Von der Standhaftigkeit Hiobs habt ihr gehört und gesehen, wie der Herr ihn am Ende belohnt hat. Der Herr ist voller Mitgefühl und Erbarmen.” (Jak. 5:10, 11)

Die Geduld kann auf eine harte Probe gestellt werden, denn ich weiß von mir, wie quälend es sein kann, auf Gott zu warten. Und ich habe auch erlebt, dass manch ein Gefährte nicht mehr warten wollte und sogar seinen Glauben an Gott aufgab. Da begann ich mich mit der Frage zu beschäftigen, warum  sie die Geduld verloren haben. Ich habe versucht, ihre Motive zu erfahren, aber es war schwer oder manchmal unmöglich. Eine Antwort lautete sinngemäß: “Ich fühle nichts, es sagt mir nichts mehr.” Daraus konnte ich schließen, dass es nicht immer so war. Warum ist es aber anders gekommen? 

Ich habe einmal geschrieben, dass ich Gott nicht verstehe, dass ich nicht begreife, dass er so lange dem Unheil zusehen kann. Ich wusste damals keine Antwort darauf, aber ich habe mich gehütet, aus dem Nichtwissen eine Schlussfolgerung zu ziehen, die dazu geführt hätte, den Glauben aufzugeben. Denn ich kann Schlussfolgerungen nur aus dem ziehen, was ich verstehe. Darum schrieb ich auch, dass ich nicht alles, was Gott betrifft, verstehen kann, ja nicht einmal verstehen muss, aber dass ich immer vertrauen darf! Denn Gott ist als moralische Instanz das Höchste, was ich kenne. Ich kann ihm beim besten Willen nichts Unrechtes zutrauen. Und darum kann ich auch meinen Glauben nicht deswegen aufgeben, weil ich Gott in einer Sache nicht verstehe. Auf der anderen Seite habe ich auch an mir beobachtet, wie leicht die Gedanken in eine falsche Richtung laufen und mich schwach machen können. Darum war ich gezwungen, darüber nachzudenken und Antworten Gottes zu finden, die mich beschützen und bewahren.

Hoffen heißt warten!

Abraham ist für mich ein Vorbild im Glauben, in der Hoffnung und im Warten. Die Erfüllung des göttlichen Versprechens hat er nur in Ansätzen erlebt; das Kommen des Messias und seine Herrschaft im Reich Gottes lagen für ihn in der Zukunft, und doch wurde er im Glauben nicht schwach, denn er wusste, dass Gott nicht lügt. Und ich habe immer die menschliche Größe und das Vertrauen Abrahams bewundert, der darum von Gott als sein persönlicher Freund bezeichnet wurde! Er hat die Stadt Gottes, das Neue Jerusalem, in der Ferne gesehen – und es wurde für ihn zur unumstößlichen Tatsache, zur Wirklichkeit, die er zwar noch nicht erlebte, aber erwarten konnte! So  hat er ein ganzes Leben lang gewartet! Er hat gewartet, ohne die Geduld zu verlieren. 

Sein Glaube machte die Hoffnung zur Gewissheit. Und das ist der Unterschied zwischen Glauben und Unglauben. Der Ungläubige vertraut Gott gar nicht, weil er ihn nicht kennt und ihn nicht als sittliche Person wahrnimmt. Und der im Glauben Schwache zweifelt und wird von seinen Zweifeln daran gehindert, fest zu stehen. 

Wie wartet ein Christ?

Das Motiv des Wartens finden wir auch in den Reden Jesu. In Verbindung mit der Prophezeiung über das Ende dieses Weltsystems erzählte Jesus Gleichnisse, die das Warten und das Wachbleiben im Glauben bekräftigen. Und dabei fällt ein besonderer Aspekt auf: Die Jünger sollten tätig sein, während sie auf ihn warten; sie sollten ihren Glauben lebendig erhalten und dafür ständig beten, damit sie mit der Hilfe Gottes das auch tun könnten.  Das Warten bedeutet also für die Jünger Jesu nicht, dass sie schicksalsergeben dasitzen und einfach nur warten. Im Gegenteil: Immer sollten sie Gottes Reich und seine Gerechtigkeit suchen!

In seinen letzten Ermahnungen an seine Nachfolger betont er den notwendigen Kampf für den eigenen Glauben, die Notwendigkeit, die “Kleider” sauber zu halten, nicht zu lügen, nicht Betrügern zu folgen, die Liebe nicht sterben zu lassen, den Götzendienst zu meiden, falsche Lehren abzulehnen und immer wach und empfänglich für die Äußerungen des Geistes Gottes zu bleiben, indem man in seinem Wort liest. (Offenbarung 2 und 3). Damit hat er jedem viel Arbeit gegeben! Das ist ein Auftrag von dessen Erfüllung das ewige Leben abhängt. Ein Christ wird die Erfüllung der Verheißungen Gottes nur erleben, wenn er im Glauben treu bleibt. Das macht Jesus in jedem seiner sieben Briefe deutlich (Off. 2:7, 11, 17, 26; 3:5, 12, 21). Denn Jesus will, dass in jedem seine Liebe an ihr Ziel kommt. Dafür bietet er seine Hilfe an und steht jedem in seinem Kampf für den persönlichen Glauben bei:

“Weil du meine Aufforderung zur Standhaftigkeit beherzigt hast, werde auch ich dich bewahren in der Zeit der Versuchung, in der die ganze Menschheit den Mächten der Verführung ausgesetzt sein wird.” (Off.3:10)

Denke ich darüber nach, dann wird mein Herz heiß, denn ich weiß, dass ich geliebt werde und nicht mir selbst in meinem Glaubenskampf überlassen bin. Ich habe einen liebevollen Hirten, der mich führt, erzieht und schützt. Ich kann also, während ich auf das zweite Kommen Christi warte, in der Hausgemeinschaft Gottes sein und alle Vorzüge dieser Gemeinschaft genießen. Das ist so stärkend und tröstend, dass ich es kaum fassen kann. Denn ich bin ja nur ein Sonnenstäubchen, ein sündiger Mensch! Aber ich kann diese Erfahrung der Hilfe und der Nähe Jesu und des Vaters nicht aus meinem Bewusstsein verbannen. Es ist Realität! 

Beharrlich beten 

Ich möchte einen Satz aus den Ermahnungen Jesu an seine Jünger noch hervorheben:

“Seid wachsam und hört nicht auf zu beten, damit ihr die Kraft habt, allem, was geschehen wird, zu entkommen, und damit ihr zuversichtlich vor den Menschensohn treten könnt.” (Luk. 21:36)

Wie leicht neigt man dazu, das Beten – und Nachsinnen – zu vernachlässigen! Das erkenne ich an den Aposteln, die mit Jesus zusammen im Garten Gethsemane wachen und beten sollten! Sie sind immer wieder eingeschlafen. Von meiner heutigen Warte aus ist das für mich unfassbar. Aber das sage ich so leicht. Kenne ich mich so genau, dass ich sagen kann: das passiert mir nicht? So will ich diese Episode als Mahnung auffassen und sorgfältig auf mich achten. Denn ich bin mir der Tatsache bewusst, dass niemand aus eigener Kraft standhaft bleiben kann. Ich brauche Gott, ich brauche Jesus –  wirklich! 

Ein wesentlicher Anteil des Gebets muss meiner Überzeugung nach die Dankbarkeit sein. Nur dankbare Menschen möchte Gott in seiner Nähe haben. Das sind dann Menschen, die über sein Handeln in ihrem Leben nachdenken und auf dieser Weise viele Gründe finden, um von Herzen dankbar zu sein. „Wer Dank opfert, verherrlicht mich“, so heißt es in einem Psalm. Dankbarkeit wirkt auf mich zurück; sie macht mich glücklich, sie induziert Freude, Freude an Gott! Und aus der Freude entspringt Kraft für den Glaubenskampf.

Auch mich können Alltagssorgen soweit belasten, dass sie den Glauben ersticken. Der “Rausch eines ausschweifenden Lebens” ist für mich weniger eine Gefahr, aber Ängste und Sorgen könnten mich vom Wesentlichen ablenken. Aber warum sorge ich mich? Warum fürchte ich mich? Wenn ich alles getan habe, was in meiner Macht ist, dann kann ich darüber hinaus nichts weiter tun, als warten. Dann heißt es wirklich auf Gott zu warten! Wenn meine Weisheit am Ende ist, dann kann ich als Christ nur warten. Was nützen dann noch meine Sorgen? Sie ändern nichts! Aber sie lenken mich ab und schwächen mich. Sie rauben mir die Kraft und können mich mutlos machen. Wenn die Sorgen ständig durch das Bewusstsein kreisen, werde ich depressiv und die Freude stirbt. Und dann bleibt für mich noch die Frage offen, ob ich tatsächlich Gottvertrauen beweise, wenn ich mich um Dinge sorge, die weit außerhalb meiner Macht liegen? Stattdessen sollte ich dies bedenken:

Ich habe mich ganz in Gottes Hand gegeben. Ich tat es mit uneingeschränktem Vertrauen, denn ich habe es im Laufe der Jahre durch Erfahrung gelernt. Aus dem Psalm 138 sind mir die Worte lebendig geblieben: 

“Selbst wenn man mich schwer bedrängt, belebst du mich. Du nimmst mich in Schutz vor der Wut meiner Feinde, deine mächtige Hand wird mich retten. Jehowah vollbringt es für mich. Deine Liebe hat niemals ein Ende. Gib die Werke deiner Hände nicht auf!” 

Diese Worte sind bedeutungsvoll! Sie machen mir deutlich, dass ich im Leben bedrängt werden kann, dass schwere Zeiten für mich kommen können und ich um Hilfe schreien muss. Und ich bin sicher, dass mein Rufen gehört und beantwortet wird. Es wird beantwortet, auch wenn es scheint, dass Gott sich Zeit, viel Zeit lässt. Er hat Jesus Christus alle Macht gegeben, und der Sohn Gottes wird sie einsetzen, um auch mein Leben für die Ewigkeit zu bewahren! 

Ich möchte es mir auch abgewöhnen mich zu beklagen, weil ich es als eine Art von Ungerechtigkeit gegenüber Gott empfinde. Ich weiß, dass in der Bibel viele Klagen aufgeschrieben sind, aber für mich sehe ich keinen berechtigten Grund zur Klage. Sollte es sie geben, dann will ich auch daran denken, dass ich in Gottes Obhut bin und dass ich bereit und willens sein will, Schwierigkeiten als Prüfung meines Vertrauens zu Gott aufzufassen. Ich will also in Geduld auf Gott warten.

Aber dies alles unter der Gewissheit, dass Gott mein Vater ist und dass er sich um sein irdisches Kind kümmert. Und wo meine Macht, mein Wirken und meine Weisheit am Ende ist, das setzt Gott an! Ich muss auch daran denken, dass Gott das Recht hat, mich auf die Probe zu stellen. Und ich wünsche ja, dass es geschieht, weil es mich in meinem Glauben bestätigen, erziehen und festigen kann. Nur in belastenden Situationen zeigt sich für einen Menschen, wie fest sein Glaube ist. Auf diese Erfahrung möchte ich nicht ganz und gar verzichten, wenn ich mir auch nicht unbedingt Schwierigkeiten wünsche. Ich möchte es wie Paulus sehen, als ihm von Jesus gesagt wurde: “Meine Gnade muss dir genügen, denn meine Kraft wird in Schwachheit mächtig.” (2. Kor. 12:9) Und dann fährt der Apostel mit diesen tröstenden Worten fort:

“Jetzt bin ich sogar stolz auf meine Schwachheit, weil so die Kraft des Christus auf mir ruht. Deshalb freue ich mich über meine körperlichen Schwächen, ja selbst über Misshandlungen, Notlagen, Verfolgungen und Ängste, die ich für Christus ertrage; denn wenn ich schwach bin, bin ich stark.” (2. Kor. 12:9, 10)

Nur unter dieser Voraussetzung kann man als schwacher Mensch mit Geduld auf die Erfüllung der Versprechen Gottes warten! Wenn man so wartet, dann ist das kein Unglück, wenn man in einer Zeit lebt, in der es eigentlich keinen Wert hat. Denn Gottes Hand hält uns fest und bewahrt uns vor dem Sturz ins Nichts! So hat er auch mich davor bewahrt, der Magie des Bösen zum Opfer zu fallen. Statt dessen hat er mich auf den Weg der ewigen Zeit gestellt.